Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

447

ich  verzige  mich  e  einer  krönet  Er  hätte  mit  dem  unbestimmten
Artikel  zugleich  seinen  letzten  Dactylus  gefüllt. 1
Die  vierte  Strophe  ist  merkwürdig  unlogisch.  ,Ihr  dürft
mir’s  glauben,  —  sagt  der  Dichter  —  ich  könnte  manchen
lieben  Tag  verleben,  wenn  auch  niemals  eine  Krone  käme  auf
mein  Haupt:  was  ich  mir  ohne  sie  nicht  zutraue/  Also:  wenn
ich  die  Geliebte  habe,  so  brauche  ich  keine  Krone;  wenn  ich
die  Geliebte  nicht  habe,  dann  empfängt  die  Krone  Werth.
Diesen  Gedanken  erwartet  man.  Aber  die  Vorstellung  eines
möglichen  Verlustes  weckt  die  Gedankenreihe  der  zweiten
Strophe  wieder  auf:  mit  ihr  ein  König,  ohne  sie  traurig  und
arm  und  —  um  den  äussersten  Gegensatz  eines  thronenden
Herrschers  anzuführen  —  geächtet  und  excommunicirt.
Wir  haben  also  ein  vierstrophiges  —  oder,  wenn  man
ganz  streng  sein  will,  ein  dreistrophiges,  mit  einer  weiteren
Strophe  als  Einleitung  versehenes  —  sehr  charakteristisches
Gedicht  von  dem  Staufer  Heinrich,  dem  Sohne  Friedrichs  des
Ersten.  Form  und  Inhalt  sind  wie  wir  sie  erwarten  müssen:
an  dem  Hofe  Barbarossas  hat  Friedrich  von  Hausen  gedichtet.
Dem  conventionellen  romanischen  Inhalte  entspricht  die  romanische ­
  Form,  die  daktylischen  Zeilen,  die  aus  dem  zehnsilbigen
Verse  der  Troubadours  hervorgegangen  sind.  Sie  haben  vier
Hebungen,  nur  die  letzte  Zeile  der  Strophe  ist  um  eine  Hebung
verlängert.  Der  Bau  dreitheilig  ababccc,  die  Reime  bereits
genau.  Hierin  zeigt  sich  Einfluss  Heinrichs  von  Veldeke,
dessen  Wirkung  auf  süddeutsche  Poesie  Müllenhoff  (Zs.  14,
142)  mit  Recht  von  seiner  Anwesenheit  bei  Heinrichs  Schwertleite ­
  zu  Mainz  1184  datirt.
Mehr  als  dieses  Gedicht  aber  besitzen  wir  nicht  von
Heinrich.
Denn  ganz  anderen  Charakter  tragen  die  übrigen  Strophen,
welche  die  Ueberlieferung  ihm  zuschreibt.  Das  Liederbuch
unter  der  Ueberschrift  Keiser  Heinrich,  das  die  grosse  illustrirte

1  Müllenhoff,  dem  ich  die  Hauptpunkte  der  obigen  Argumentation  mittheilte, ­
  schreibt:  ,Was  mich  namentlich  bestimmt,  mich  Ihnen  anzuschliessen,
  ist  nicht  so  sein*  der  bestimmte  Artikel  der  kröne  (s.  Haupt
S.  227  darüber),  als  die  dritte  Zeile  der  letzten  Strophe,  die  mir  immer
eine  crux  und  eigentlich  gänzlich  unverständlich  gewesen  ist  bei  der
Haupt’schen  Ansicht.  Bei  Ihrer  Ansicht  ist  sie  ganz  klar  und  einfach/
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXVII.  Bd.  III.  Hft.  29
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.