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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Bemerkungen  über  die  schwache  Verbalflexion  des  Neupersischen.

361

Starke

Schwache

Singular:  1.  Pers.  —am,  —ora

—im
—ae

2.  Pers.  —ae
3.  Pers.  —ad

—e{
—im
—et

Plural:  1.  Pers.  —am,  —  om

2.  Pers.  •—•
3.  Pers.  —and

Man  sieht  daraus,  dass  von  der  starken  Conjugation  alle
Personen  bis  auf  die  zweite  der  Vielzahl  und  von  der  schwachen ­
  alle  bis  auf  die  dritte  der  Vielzahl  wirklich  vorhanden
sind.  Bei  der  zweiten  Person  der  Einzahl  ist  nicht  zu  entscheiden, ­
  ob  —ae  der  starken  oder  der  schwachen  Conjugationsform
  ursprünglich  angehört,  da  sowohl  —ahi  als  auch
—ayahi  zu  —ae  werden  kann.
Betrachten  wir  nun  die  beiden  Reihen  der  Conjugation,
so  können  wir  leicht  ermessen,  was  die  Sprache  bewogen  haben
mag,  dieses  Schema  auf  das  im  Neupersischen  geltende  zu
reduciren.  —  Es  war  offenbar  die  Homophonie,  welche  in  den
Endungen  —am  (1.  Pers.  Singul.  und  Plur.),  —im  (1.  Pers.
Sing,  und  Plur.)  und  —et  (3.  Pers.  Sing,  und  und  2.  Pers.
Plur.)  so  störend  auf  das  Verständniss  der  Formen  einwirkte
und  welche  schon  früher  zur  Beseitigung  der  nicht  mehr  nachweisbaren ­
  Endung  —ad  der  zweiten  Person  Vielzahl  Veranlassung ­
  gegeben  haben  mag.
Der  Trieb  zur  Denominativbildung  des  Verbums,  ohne
welche  das  Neupersische  die  erste  Person  Singular  und  Plural,
sowie  die  dritte  Person  Singular  und  die  zweite  Person
Plural  lautlich  auseinanderzuhalten  ausser  Stande  wäre,  lässt
sich  schon  in  den  alten  eränischen  Sprachen,  namentlich
in  dem  durch  die  Achämeniden-Denkmäler  bekannten  West-Eränischen
  nachweisen.  Wir  finden  dort  einige  Verba,  welche
im  Alt-Indischen  der  primären  Conjugationsnorm  folgen,  oder
selbst  im  Neupersischen  stark  conjugirt  werden,  als  Denominativa
  behandelt.  Es  sind  dies  folgende:
Altpersisch:  garb  —  altbaktrisch:  garew  3.  Prs.  Sing,
gerew-näiti  =  altindisch  ved.  grbh.  3.  Prs.  Sing,  grbhnäti
sanskrit  grh,  grhnäti  =  neupersisch  (giriftan),  praes.
(giram).
            
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