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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Das  Imperfect  in  den  slavischen  Sprachen.

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Herr  Prof.  Friedrich  Müller,  Sitzungsberichte  LXIV,  Seite
448,  führt,  das  Litauische  und  Armenische  heranziehend,  ea
auf  aja  zurück.  Da  auch  Bopp,  Seite  400,  vom  Charakter
aja  spricht,  so  fällt  lautlich  Herrn  Müller’s  Theorie  mit  Bopp’s
Erklärung  zusammen.  Ein  Begreifen  des  Wortes,  eine  Einsicht, ­
  warum  der  so  entstandenen  Form  diese  bestimmte  Bedeutung ­
  zukömmt,  wird  durch  keine  von  beiden  Deutungen
begründet:  man  kömmt  nicht  über  das  hinaus,  was  augenscheinlich ­
  vorliegt,  es  wird  im  besten  Falle  nur  das  erreicht,
dass  man  wisse,  dass  eine  ebenso  unbegreifliche  Form  auch  im
Litauischen  und  im  Armenischen  vorkömmt.  Ich  möchte  glauben, ­
  dass  die  Vergleichung  von  pletöln.  mit  pletati  uns  in  der
That  das  Verständniss  der  Form  erschliesst,  wobei  es  gestattet
sei  noch  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  eine  dem  Slavischen ­
  eigentümliche  Verbalform  mit  einer  in  dieser  consequenten
  Durchführung  nur  den  slavischen  Sprachen  bekannten
Erscheinung  in  Zusammenhang  gebracht  wird,  dass  Beide  aus
einem  Principe  erklärt  werden.  Die  Laute  betreffend  ist  zu
bemerken,  dass  lit.  aja  im  slav.  entweder  eje,  aja  oder  oje
lauten  müsste,  und  dass  das  erste  e,  das  zweite  aja  oder  a  ergeben, ­
  das  dritte  asl.  unverändert  bleiben  würde,  da  asl.  oje
nicht  in  e  zusammengezogen  wird;  ea  ist  aus  lit.  aja  nicht
erklärbar.
Ich  will  hinzufügen,  dass  noch  eine  Erklärung  des  Imperfects
  möglich  ist,  die  sich  einigermassen  an  Bopp’s  Theorie
anschliesst.  Es  linden  sich  nämlich  im  Bulgarischen  Verba,
die  das  das  Imperfect  auszeichnende  e  auch  ausserhalb  dieses
Tempus  zeigen:  bodeki,  S'im  pupugi  asl.  boh,  cank.  8G.  bxdel
s r Lin  (*  bqdeh,)  fui  91.  raspletel:  i  kosi  si  ona  raspletela
sie  flocht  ihr  Haupthaar  auf  milad.  250:  asl.  rasplela.  slezel:  i  ot
konja  ono  je  slezelo  er  stieg  vom  Pferde  251:  asl.  sudezlo.  posecel:
’si  te  gi  je  poseöela  hieb  sie  alle  nieder  259.  Man  könnte  nun
sagen,  aus  dem  Thema  bod  entstehe  zunächst  bode,  und  dieses
liege  dem  Imperfect  zu  Grunde.  Diese  dem  Bulgarischen
eigentümliche,  den  anderen  slavischen  Sprachen  in  alten  wie
in  neuen  Denkmälern  ganz  unbekannte,  mir  räthselhafte  Form
scheint  eher  selbst  auf  dem  Imperfect  zu  beruhen,  als  demselben ­
  zur  Erklärung  zu  dienen:  bodel  ist  aus  dem  Imperfect
bödelri.  ebenso  hervorgegangen,  wie  sich  reti,  serb.  rijeti,  aus
            
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