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Kaufmann.
Strengt sich aber einer an, Gottes Wesen zu begreifen, eine
Vorstellung von demselben zu gewinnen, so verliert sich ihm
die Einsicht selbst von dem, was er bereits erkannt hatte.
So liegt in dem Bewusstsein, dass wir von Gottes Wesen
nichts wissen können, der sicherste Schutz gegen jeden Versuch,
ein Bild, eine Vorstellung von Gott erlangen zu wollen. Dieses
Bewusstsein leiht uns aber auch die richtige Auffassung jener
Attribute, zu deren Anwendung das Bedürfniss nach Gotteserkenntniss
und Gottesverehrung nothwendig führen musste.
Es bewahrt uns davor, nach dem einfachen Wort verstau de
und in der sinnlichen Bedeutung sie aufzunehmen und lehrt
uns, nur uneigentliche und bildliche Ausdrücke, Notlibehelfe
unseres Denkens in ihnen zu erblicken. Nur der, hat darum
einer der Philosophen 1 erklärt, der das Absolute nicht zu
fassen vermag, hält sich bei den in der Schrift Gott beigelegten
Eigenschaften an den Wortsinn, ohne zu bedenken,
dass sie nur auf die Vernunft des Hörers, des Empfängers
hin, nicht nach dem Wesen des Gebers berechnet sind. In
Wahrheit verhält es sich mit diesen sinnlichen Ausdrücken
nicht anders wie mit den unarticulirten Anrufen, mit denen
man Thiere zum Trinken aufmuntert und mehr erreicht als
mit aller reinen und wohlberechneten Sprache.
Es bleibt somit für den Gläubigen der Gotteserkenntniss
höchstes Ziel, aus seinen Werken Gott in seiner Weisheit,
Stärke, Gnade, Barmherzigkeit und Vorsehung zu erfassen,
und dieser Erkenntniss das eifrigste Bestreben zu widmen, ihr
nachzuleben ist des Gläubigen Aufgabe und Pflicht.
Hätte es in der Absicht Bachjas gelegen, eine Theologie
im weiteren Sinne zu schreiben, dann hätte er im Anschluss
an seine Attributenlehre eine Reihe von Fragen zu lösen gehabt,
deren Behandlung wir ganz bei ihm vermissen. Jedes der Attribute,
die er zuletzt genannt hat, hätte ihm dann Veranlassung
geboten, eine Anzahl damit in Zusammenhang stehender Probleme
zu besprechen, die bei anderen jüdischen Religionsphilosophen
den Gegenstand angestrengtester Untersuchung
1 Die Quelle dieses Ausspruchs ist mir unbekannt. Vielleicht gehört auch
er den lauteren Brüdern an, bei denen Aehnliches, wie in der bereits angeführten
Stelle (Dieteriei, Anthropologie S. 153, 154) vorkommt.