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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Kaufmann.

Strengt  sich  aber  einer  an,  Gottes  Wesen  zu  begreifen,  eine
Vorstellung  von  demselben  zu  gewinnen,  so  verliert  sich  ihm
die  Einsicht  selbst  von  dem,  was  er  bereits  erkannt  hatte.
So  liegt  in  dem  Bewusstsein,  dass  wir  von  Gottes  Wesen
nichts  wissen  können,  der  sicherste  Schutz  gegen  jeden  Versuch,
ein  Bild,  eine  Vorstellung  von  Gott  erlangen  zu  wollen.  Dieses
Bewusstsein  leiht  uns  aber  auch  die  richtige  Auffassung  jener
Attribute,  zu  deren  Anwendung  das  Bedürfniss  nach  Gotteserkenntniss
  und  Gottesverehrung  nothwendig  führen  musste.
Es  bewahrt  uns  davor,  nach  dem  einfachen  Wort  verstau  de
und  in  der  sinnlichen  Bedeutung  sie  aufzunehmen  und  lehrt
uns,  nur  uneigentliche  und  bildliche  Ausdrücke,  Notlibehelfe
unseres  Denkens  in  ihnen  zu  erblicken.  Nur  der,  hat  darum
einer  der  Philosophen  1  erklärt,  der  das  Absolute  nicht  zu
fassen  vermag,  hält  sich  bei  den  in  der  Schrift  Gott  beigelegten ­
  Eigenschaften  an  den  Wortsinn,  ohne  zu  bedenken,
dass  sie  nur  auf  die  Vernunft  des  Hörers,  des  Empfängers
hin,  nicht  nach  dem  Wesen  des  Gebers  berechnet  sind.  In
Wahrheit  verhält  es  sich  mit  diesen  sinnlichen  Ausdrücken
nicht  anders  wie  mit  den  unarticulirten  Anrufen,  mit  denen
man  Thiere  zum  Trinken  aufmuntert  und  mehr  erreicht  als
mit  aller  reinen  und  wohlberechneten  Sprache.
Es  bleibt  somit  für  den  Gläubigen  der  Gotteserkenntniss
höchstes  Ziel,  aus  seinen  Werken  Gott  in  seiner  Weisheit,
Stärke,  Gnade,  Barmherzigkeit  und  Vorsehung  zu  erfassen,
und  dieser  Erkenntniss  das  eifrigste  Bestreben  zu  widmen,  ihr
nachzuleben  ist  des  Gläubigen  Aufgabe  und  Pflicht.
Hätte  es  in  der  Absicht  Bachjas  gelegen,  eine  Theologie
im  weiteren  Sinne  zu  schreiben,  dann  hätte  er  im  Anschluss
an  seine  Attributenlehre  eine  Reihe  von  Fragen  zu  lösen  gehabt,
deren  Behandlung  wir  ganz  bei  ihm  vermissen.  Jedes  der  Attribute, ­
  die  er  zuletzt  genannt  hat,  hätte  ihm  dann  Veranlassung
geboten,  eine  Anzahl  damit  in  Zusammenhang  stehender  Probleme ­
  zu  besprechen,  die  bei  anderen  jüdischen  Religionsphilosophen ­
  den  Gegenstand  angestrengtester  Untersuchung

1  Die  Quelle  dieses  Ausspruchs  ist  mir  unbekannt.  Vielleicht  gehört  auch
er  den  lauteren  Brüdern  an,  bei  denen  Aehnliches,  wie  in  der  bereits  angeführten ­
  Stelle  (Dieteriei,  Anthropologie  S.  153,  154)  vorkommt.
            
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