Die Theologie des Bachja ihn Pakuda.
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Eine richtige Erkenntniss unserer Seelenkräfte wird uns
übrigens die Unmöglichkeit, uns Gott bildlich vorstellen zu
können, ganz begreiflich hnden lassen. Von den fünf leiblichen
Sinnen hat ein jeder sein besonderes Gebiet zugewiesen, so
z. B. der Gesichtssinn Farben und Formen, der Gehörsinn
Schälle und Klänge, hat ein jeder eine Grenze seiner Leistungskraft,
die er nicht überschreiten kann, ohne seinen Dienst zu
versagen, wie der Gesichtssinn z. B. nicht über eine gewisse
Entfernung hinaus sehen kann. Ein Sinn kann nicht die Leistungen
des anderen übernehmen, wir können mit den Augen 1
nicht hören und nicht mit den Ohren sehen. Für den Gesichtssinn
ist der Schall unfassbar, wie für den Gehörsinn das Licht.
Ganz ebenso haben die Seelenkräfte, die fünf geistigen Sinne
ihre gegen einander abgegrenzten Wirkungskreise, jeder seine
bestimmte Schranke, über die hinaus er nicht leistungsfähig
sein kann. So nimmt der Verstand die Dinge 2 entweder durch
ihr Wesen selbst oder durch Beweise wahr, das Naheliegende
und Offenbare durch sie selbst, durch ihr Wesen, das Entfernte
und Verborgene durch Beweise, die deren Dasein bekunden.
Von Gott, dessen Wesen uns am Entferntesten und
Verborgensten ist, kann also der Verstand nur durch Beweise
sein Dasein erfahren. Und weil ein Sinn nicht über die Schranke
seiner Kraft hinausgehen kann, ohne seinen Dienst zu versagen,
so darf der Verstand nicht bis zur Vorstellung des göttlichen
Wesens Vordringen wollen, wenn er nicht selbst die Erkennt-1
Wie liier Bachja überhaupt den lauteren Brüdern gefolgt zu sein scheint,
so findet sich auch bei ihnen die Bemerkung von den abgegrenzten
Sinnesbezirken. ,Von den sinnlichen Kräften erfasst jede einzelne speciell
eine Gattung des sinnlich Wahrnehmbaren, wie wir oben dartliaten. Die
Sehkraft erfasst weder den Schall, noch den Geschmack, noch Geruch,
noch Tastbares, sondern nur Farben u. s. f.‘ (Dieterici, Anthropologie
S. 38).
2 Auch Abraham ihn Daud erklärt die Unmöglichkeit, Gottes Einheit ganz
zu erfassen, aus einer in der Naturanlage begründeten Schwäche unseres
Verstandes, der die Erhabenheit des göttlichen Wesens ebensowenig zu
begreifen vermöge, wie die Fledermaus in die Sonne sehen kann. Doch
ist Abraham ibn Daud strenger Aristoteliker und auch an dieser Stelle
(Ein. ram. S. 53), wo auch der Philosoph erwähnt wird, hat er, wie ich
in meiner Darstellung seiner Attributenlehre zeige, eine Stelle aus dev
Metaphysik (II, 1) für seinen Zweck verwendet.