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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Kaufmann.

Stellen  geistig-  aufzufassen  und  die  krasse  Körperlichkeit  solcher ­
  Ausdrücke  möglichst  abzustreifen,  wie  dies  bereits  Saadias
in  seinem  religionsphilosophischen  Werke,  im  Commentar  zur
Bibel  und  zum  Buche  Jezira  1  genügend  ausgeführt  hat.  Das
bedarf  daher  keiner  weiteren  Darlegung.
Wozu  aber  überhaupt  solche  Attribute,  die  hinterher  doch
wieder  vergeistigt,  in  anderem  Sinne  gefasst,  aufgehoben  werden ­
  müssen?  Lediglich  der  Nothwendigkeit,  die  Ueberzeugung
vom  Dasein  Gottes  in  den  Seelen  zu  befestigen,  verdanken  sie
ihre  Anwendung. 2  Nur  weil  es  nöthig  ist,  dass  der  Mensch,
wenn  er  Gott  verehren  soll,  einen  Begriff  von  ihm  habe,  dieser
aber  durch  blosse  Abstracta  niemals  zu  erreichen  ist,  hat  die
Schrift  lieber  diese  körperlichen  Ausdrücke  gewählt,  die  Allen

1  Auf  einige  der  hier  von  Bachja  angeführten  Stellen  aus  dem  Pentateuchund
  dem  Jezira-Commentar  beruft  Saadias  sieh  selbst  zu  wiederholten
Malen  (Ein.  I,  1;  S.  20;  II,  3;  S.  44).
2  Den  tiefen  Gedanken  von  dem  Erziehungsplane  des  göttlichen  Gesetzes,
das  zu  Menschen  sinnlich  spricht  und  daher  auch  leibliche  Ausdrücke
über  Gott  nicht  scheut,  schreibt  Bachja  deutlicher  und  schärfer,  als  es  in
der  Uebersetzung  uns  vorliegt,  im  arabischen  Texte  dem  Saadias  zu.
Munk  (Notice  sur  Saadia  44,  1)  führt  diese  Stelle  an.  Anklänge  an
diesen  Gedanken  findet  man  auch  bei  den  Arabern.  So  erklären  die
lauteren  Brüder  die  ,fleischlichen 1  Ausdrücke  des  Korans  in  einer  Bachjas
Erklärung  durchaus  analogen  Weise.  ,Alle  Menschen  werden  angeredet,
je  nachdem  es  ihrer  Vernunft-  und  Erkenntnissstufe,  ihrem  Erkenntnisvermögen ­
  entspricht,  da  die  Propheten  sowohl  für  die  Höheren  als  das
Volk,  sowie  für  Alle,  die  dazwischen  stehen,  reden 1  (Dieterici,  Anthropologie ­
  S.  153).  Genau  so  sagt  Bachja  (S.  74):  ni'TinW  T“l5t  ITH  p  bp
yölltin  nra  na  'SS  D’S’jym  mban.  ,Er  [der  Prophet],  heisst  es  bei  den
lauteren  Brüdern  weiter,  stellte  daher  die  Eigenschaften  des  Paradieses
in  seinem  Buche  körperlich  dar,  damit  solche  dem  Verständniss  der  Leute
nahe  kommen,  sie  sich  dieselben  leicht  vorstellen  könnten  und  ihre
Seelen  danach  Begierde  hätten*  (a,  a.  O.  S.  154).  Aelmlich  sagt  Bachja:
nbnna  nvaiwn  mban  p  pian  r.wan  "pn  bp  laS  bp  pj>n  bia'ir  na-Auch
  Ihn  Sina  setzt  in  ähnlicher  Weise  das  Verhältnis  von  Offenbarung
und  Philosophie  auseinander:  ,Die  Offenbarung  sei  für  alle  Classen  des
Volkes  und  müsse  daher  in  einer  bildlichen  Weise  reden,  in  welcher  sie
für  die  Menge  verständlich  werde*  (Ritter  a.  a.  O.  8,  S.  20,  2).  Den
Grund  Bachjas  für  die  Thätigkeitsattribute,  dass  sie  nämlich  auf  die  allgemeine ­
  Fassungskraft  berechnet  waren,  scheint  Ahron  ben  Elia  entlehnt
zu  haben,  da  er  in  gleicher  Absicht  von  denselben  absolut  behauptet;
vmm  parfc  ns  b  *6k  (Ez  chajim,  c.  93).
            
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