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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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K  aufm  an  n.

Schöpfer.  Auf  demselben  Wege  gelangt  aber  auch  der  Mensch
zu  Aussagen  über  Gottes  Eigenschaften,  denn  aus  der  Art  des
Gewirkten  schliesst  er  auf  die  Art  des  Wirkenden  und  nach
den  verschiedenen  Gesichtspunkten,  unter  denen  die  Welt  sich
ihm  darstellt,  glaubt  er,  verschiedene  Seiten  im  Wesen  des
Schöpfers  bezeichnen  zu  können.  Mannigfach,  1  wie  die  Schöpfungen ­
  Gottes  und  seine  an  diesen  hervortretenden  Wirkungen
und  Wohlthaten,  sind  nach  Baclija  (c.  10)  die  von  den
Menschen  Gott  beigelegten  Eigenschaften.  Und  doch  kann  die
Fülle  sowohl  der  auf  diesem  Wege  durch  die  Vernunft  gefundenen, ­
  als  auch  der  in  der  Schrift  vorkommenden  göttlichen
Eigenschaften  in  zwei  Gruppen  zusammengefasst  werden,  in
die  1.  Wesens-  und  2.  Thätigkeitsattribute.
Wesensattribute  sind  diejenigen,  die  nicht  aus  dem  Verhältniss
  Gottes  zu  seinen  Geschöpfen  abgeleitet  ihm  vor  und
nach  diesen  an  und  für  sich  zukommen.  Nur  drei  solcher
können  wir  Gott  beilegen,  es  sind  diess:  Seiend,  Einer,  Ewig.
Ihnen  ist  vornehmlich  die  Bedeutung  zuzuschreiben,  dass  sie
den  Gottesbegriff  dem  Bewusstsein  der  Menschen  vermitteln
und  nahebringen.  Sie  sind  allesammt  auf  speculativem  Wege
gefunden  und  aus  sicheren  Beweisen  abgeleitet.  Die  Betrachtung ­
  alles  Geschaffenen  hat  uns  zur  Annahme  eines  Schöpfers
genöthigt,  den  wir  seiend  uns  denken  müssen,  denn  von  dem
Nichtseienden  kann  keine  Wirkung  ausgehen.  Die  Schöpfung
hat  uns  zur  Annahme  einer  letzten  Ursache  hingeleitet,  vor
der  es  keine  frühere  geben  kann,  so  mussten  wir  denn  Gott
ewig  nennen.  Ebenso  haben  entscheidende  Beweise  uns  gelehrt, ­
  dass  Gott  Einer,  ja  dass  er  die  von  jeder  Art  der  Vielheit ­
  freie  Einheit  ist.
1  Mit  diesem  Gedanken  Bachjas  vergleicht  sich  auffällig  eine  Aeusserung,
die  von  den  Arabern  dem  Pythagoras  zugeschrieben  wurde:  ,Es  erkenne
ihn  (den  Schöpfer)  jede  der  Welten  nur  nach  Maassgabe  der  Wirkungen,
welche  in  ihr  zur  Erscheinung  kommen,  so  dass  sie  ihm  Attribute  beilege ­
  und  ihn  beschreibe  nach  diesem  Maasse,  welches  ihr  von  seinem
Wirken  eigenthümlich  ist,  dass  also  den  Existenzen  in  der  geistigen  Welt
eigenthümliehe  geistige  Einwirkungen  eigen  seien  und  sie  ihm  in  Folge
dieser  Einwirkungen  Attribute  beilegen:  es  beschreibe  ihn  (den  Schöpfer)
also  Jeder  nach  seinem  (eigenen)  Wesen  und  halte  ihn  heilig  nach  den
Eigenthümlichkeiten  seiner  (eigenen)  Eigenschaften 4  (Sehahr.  II.  IT,  98,  99).
Bachjas  Worte  gewinnen  durch  diese  Stelle  an  Klarheit.
            
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