Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

256

Kaufmann.

sehen  Vorgängern,  1  nicht  von  den  arabischen  Peripatetikern,  2
aus  dem  neuplatonischenIdeenkreise  allein  kann  er  diesen
Gedanken  entlehnt  haben.  Mit  diesem  Gedanken  war  das  Wesen
Gottes  in  jene  überschwengliche  Höhe  mystischer  Unerreichbarkeit ­
  hinaufgerückt,  zu  der  die  ahnende  Seele  sehnsuchtsvoll
emporschaut,  mit  den  Kräften  ihres  Denkvermögens  aber  nicht
emporzudringen  vermag.
Nach  der  im  Kaläm  gebräuchlichen  Darstellung  der  Lehre
von  Gott  hätte  Bachja  auf  den  Nachweis  der  Einheit  die  Be-1

  Sowohl  die  Ausführungen  des  Saadias  (Ein.  11,  2,  3),  wie  die  Aeusserungen
des  Mokammez  über  die  Einheit  Gottes  gehen  von  der  bekannten  mu’tazilitischen
  Forderung  aus,  Gottes  Wesen  von  jeder  Vermehrfachung  freizuhalten, ­
  von  einer  Identification  Gottes  und  der  Einheit  kann  bei  ihnen
keine  Rede  sein.  Die  Worte  des  Mokammez  (Lb.  47,  643):  Sinti’  '3*7
"niwa  xbi  nam»  161  pbnna  xSi  s^nna  xb  mann  niTir  lö®  mnan
wollen  bloss  Einheit  des  Wesens  von  Gott  aussagen,  nicht  ihn  die  wahre
Einheit  nennen.
2  Sowohl  die  Aeusserungen  Alfarabis  (Selnnölders,  Documenta  S.  46)  als
die  Ibn  Sinas  über  diesen  Gegenstand  beweisen,  dass  sie  nur  aus  der
Annahme  des  Nothwendig-Existirenden,  eines  Begriffes,  den  Bachja  gar
nicht  kennt,  die  Einheit  Gottes  ableiteten.  Für  Ibn  Sina  geht  dies  besonders ­
  aus  der  Stelle  hervor,  wo  er  über  die  Einheit  des  Nothwendig-Existirenden
  am  ausführlichsten  sich  ausspricht:  ,Es  ist  .  .  vollkommen
in  seiner  Einzigkeit,  Eines  von  Seiten  des  Vollkommenseins  seiner
Existenz,  Eines  in  der  Beziehung,  dass  seine  Begriffsbestimmung  ihm  zukommt, ­
  Eines  in  der  Beziehung,  dass  es  nicht  getheilt  wird  durch  das
Wieviel  und  durch  die  Bestandteile,  welche  es  constituiren,  auch  nicht
durch  Tlieile  der  Begriffsbestimmung,  Eines  in  der  Beziehung,  dass  jedem
Dinge  eine  Einheit  und  dadurch  Vollkommenheit  seiner  wesenhaften
Wahrheit  zukommt,  und  Eines  in  der  Beziehung,  dass  seine  Rangstufe
seitens  der  Existenz,  nämlich  die  Notwendigkeit  der  Existenz,  nur  ihm
allein  zukommt 1  (Schahr.  H.  II,  253).
2  Plotins  Aeusserungen  über  die  absolute  Einheit  Gottes  (ro  mzvrw;  ev  =
a'33  bSÖ  “IHK  xnan  bei  Bachja  c.  9,  Ende)  haben  mit  denen  Bachjas  so
viel  Uebereinstimmendes,  dass  an  dem  neuplatonischen  Ursprung  der
Lehre  von  der  Einheit  Gottes  bei  Bachja  nicht  gezweifelt  werden  kann.
Mag  auch  Plotin  selbst  niemals  ins  Arabische  übersetzt  worden  sein
(Munk  Melanges  240;  Renan,  Averroes  et  l’Avorroisme  S.  71,  1),  so  ist
doch  die  Bekanntschaft  der  Araber  mit  dem  neuplatonischen  Schriftthum
eine  so  wohl  bezeugte  Thatsaclie  (Schahr.  H.  11,  192—197;  429,  Munk  a.  a.  0.
Selnnölders  Essai  S.  98,  Steinschneider,  Al-Farabi  S.  115,  50),  dass  die  Abhängigkeit ­
  Bachjas  von  den  Neuplatonikern  nichts  Auffälliges  haben  kann.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.