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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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K  a  u  f  in  a  n  n.

Wasser  seine  Wärme  vom  Feiler,  feuchte  Dinge  ihre  Feuchtigkeit ­
  vom  Wasser,  dem  diese  substantiell  ist,  entlehnt  haben.
Alle  Dinge  in  der  Welt  haben  eine  accidentelle  Einheit,  es
muss  also  die  Einheit  in  einem  Dinge  Substanz  sein,  aus  dem
denn  auch  jene  ihre  Einheit  als  Accidenz  entlehnen.  Die  Dinge
in  der  Welt  rühren  aber  mit  Allem,  was  sie  haben,  von  Gott
her,  auch  ihre  Einheit  stammt  aus  ihm,  Gott  muss  also  die
substantielle  Einheit  sein.
Nur  die  uneigentliche  Einheit  ist  es,  die  wir  allen  Dingen
in  der  Welt  zuschreiben  können,  seien  es  nun  Gattungen,  Arten,
Individuen,  Substanzen,  Accidenzen,  höhere  oder  geistige  Wesen.
Denn  sie  alle  enthalten  eigentlich  eine  Vielheit  und  werden
nur  mit  Rücksicht  auf  ihre  Zusammensetzung  oder  darauf,
dass  sie  in  einer  Beziehung  gleiche  Theile  umfassen,  1  eins  genannt, ­
  wie  sie  denn  auch  in  der  That  allen  Accidenzen  der
Körperlichkeit  unterworfen  sind.  Gott  allein  kommt  die  eigentliche ­
  Einheit  zu,  in  ihm  ist  sie  Substanz  und  von  ihr  trägt
alles  Geschaffene  seine  accidentelle  Einheit  zu  Lehen. 2  Gott
allein  ist  die  wahre  Einheit,  keiner  kann  es  neben  ihm  sein,
alle  Bestimmungen, 2  die  von  der  substantiellen  Einheit  gelten,

1  Ibn  Sina,  der  diese  Unterscheidung  der  Einheit  nicht  kennt,  spricht  sich
doch  über  die  Aussage  der  Einheit  in  einer  Weise  aus,  die  Baclijas
Worte  verdeutlichen  kann:  ,Das  Eine  durch  die  Zahl  ist  so  beschaffen,
dass  darin  entweder  Vielheit  der  Wirklichkeit  nach  ist,  so  dass  es  Eines
ist  durch  die  Zusammensetzung  und  die  Vereinigung,  oder  dass  das  nicht
der  Fall  ist,  sondern  Vielheit  der  Möglichkeit  nach  darin  ist,  so  dass  es  Eines
ist  durch  den  Zusammenhang 4  (Schahr.  IT.  II,  149).
2  Hier  zeigt  sich  noch  deutlicher  die  Uebereinstimmung  des  von  Bachja
über  die  Einheit  Vorgetragenen  mit  dem  von  Pythagoras  angeführten
Ausspruche:  ,Die  Einheit  wird  einget.heilt  in  die  Einheit  dem  Wesen
nach  und  in  die  Einheit  dem  Accidens  nach  •  die  Einheit  dem  Wesen
nach  nun  gehört  nur  dem  Schöpfer  des  Alls  an,  von  welchem  die  Einheiten ­
  in  der  Zahl  und  dem  Gezählten  ausgehen 4  (Schahr.  H.  II,  99).
Auch  nach  Bachja  geht  die  Einheit  der  Dinge  von  Gott  aus.
3  Wenn  wir  auch  lange  vor  Bachja  bei  Juden  und  Arabern  Aeusserungen'
über  Gottes  Einheit  antreffen,  die  diese  in  möglichster  Reinheit  zu  fassen
sich  bemühen,  so  reichen  sie  doch  bei  weitem  nicht  an  das  heran,  was
Bachja  von  dieser  Einheit  fordert.  So  sagt  z.  B.  schon  David  ben
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