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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Theologie  des  Bachja  ihn  Pakuda.

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Mehrheit  sein.  Was  ist  nun  die  Ursache  dieser  beiden?  I)ie
Mehrheit  kann  es  nicht  sein,  denn  sie  folgt  begrifflich  der
Einheit,  sie  ist  das  Spätere,  wie  die  Zahl  später  ist  als  ihre
Wurzel,  die  Eins.  Eine  erste  Ursache  müssen  sie  haben,  denn
die  Ursachen  können  nicht  ins  Unendliche  gehen.  Einheit  und
Mehrheit  können  es  auch  nicht  sein,  denn  Einheit  und  Mehrheit ­
  können  doch  unmöglich  Einheit  und  Mehrheit  geschaffen
haben,  nachdem  kein  Ding  sich  selber  macht.  Da  nun  weder
die  Mehrheit  allein,  noch  beide  zusammen  die  Ursache  beider
sein  können,  so  bleibt  allein  die  Einheit  als  solche  übrig.  So
ergibt  sich  uns  von  der  einen  Seite  als  Ursache  der  beiden
obersten  Principien  1  der  Welt  und  mithin  der  Welt  selbst  die
Einheit,  von  der  anderen  Seite  hat  sich  uns  bereits  Gott  als
Ursache  2  der  Welt  ergeben,  woraus  denn  klar  hervorgeht,  dass
Gott  die  Einheit  ist.
Was  wir  an  einem  Dinge  als  Accidenz  antreffen,  muss
bei  einem  anderen  substantiell  anzutreffen  sein,  so  zwar,  dass
es  nur  mit  dem  Aufhören  des  Dinges  von  ihm  weicht.  So  ist
an  warmem  3  Wasser  die  Wärme  Accidenz,  am  Feuer  Substanz.
Es  muss  aber  auch  dieses  Accidens  von  jenem  Dinge  herrühren,
in  dem  es  als  Substanz  sich  findet,  wie  denn  auch  warmes

1  Bachja  hätte  hier,  wenn  ihm  die  Lehre  Gabirols,  dass  die  Vielheit  auf
die  Seite  der  Materie,  die  Einheit  auf  die  der  Form  falle  (Melanges
S.  115,  116,  V,  33  und  47),  bekannt  gewesen  wäre,  leicht  den  scheinbaren ­
  Widerspruch  lösen  können,  der  darin  liegt,  dass  er  (c.  7,  I)  Materie
und  Form,  liier  wiederum  Einheit  und  Vielheit  als  oberste  Principien  der
Welt  darstellt.
2  Bachja  beruft  sich  hierfür  nicht  auf  den  Beweis  für  das  Dasein  des
Schöpfers  (c.  6),  sondern  auf  den  ersten  Einheitsbeweis,  weil  aus  diesem
hervorging,  dass  nach  dem  Gesetze  der  an  Zahl  immer  mehr  abnehmenden ­
  Ursachen  die  letzte  Ursache  Eine  sein  müsse,  was  mit  dem  von
dieser  Seite  sich  ergebenden  Beweise,  dass  das  oberste  Princip  der  Welt
die  Einheit  sei,  zusammenstimmt.
3  Die  Prämisse  für  diesen  Beweis  Bachjas  können  wir  in  einem  Ausspruche
der  lauteren  Brüder  finden:  ,Das  Feuer  schüttet  Erwärmung  auf  die
Gegenstände  um  sich  her  aus,  somit  ist  Wärme  dem  Feuer  substantiell
und  die  es  herstellende  Form.  Ebenso  besteht  der  Erguss  des  Wassers
im  Befeuchten  und  Benetzen  der  demselben  benachbarten  Körper,  die
Feuchte  ist.  dem  Wasser  substantiell,  sie  ist  die  sein  Wesen  herstcllende
Form 1  (Dieterici,  Weltseele  S.  142).
            
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