Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Theologie  des  Bacbja  ihn  Paknda.

243

etwas  haben,  was  der  andere  nicht  hat,  es  muss  also  einen
Unterschied  zwischen  ihnen  geben.  Nun  könnte  einer  vom
anderen  nur  durch  den  Mangel  einer  Eigenschaft  sich  unterscheiden ­
  und  müsste  dadurch  begrenzt  sein.  Da  aber  begrenzt
gleichbedeutend  ist  mit  endlich,  das  Endliche  aber  zusammengesetzt ­
 1  und  das  Zusammengesetzte  geschaffen  ist,  so  müsste
1  Bachja  trägt  diesen  Beweis  in  einer  sehr  ung-ewölnilichen  Weise  vor.
Auch  dieser  Beweis  scheint  dem  ICaläm  anzugehör^n.  Maimonides  (Guide
I,  75,  2)  führt  ihn  als  zweiten  Einheitsbeweis  des  Kaläm  an,  genannt
gegenseitige  Verschiedenheit 4 ,  aber  in  so  unvollkommener  Weise,
dass  man  den  Gang  des  Beweises  im  Kaläm  kaum  daraus  erkennen  kann,
s.  Munk  z.  St.  Anm.  2.  Saadias  (a.a.  O.  S.  43)  führt  ihn  in  folgender  knappen
Form  an:  'V'bw  ‘“Q'l  älWn  EPTlSa  DÜ  DK1  ‘IHK  “lai  DH  D^pm  DH  ÖK,
wo  D^pZ^l  vielleicht  den  Sinn  des  arabischen  U^A  I  m
xx  g  IMt  (Maväkif  ed.  Soerensen  j^)  ,in  den  Bedingungen  der  Gottheit
gemeinsam 4  haben  kann.  Ob  die  Worte:  “0*1  ÜHTIJ  ttf 1 ’  den  Sinn
haben,  dass  bei  vorausgesetzter  Verschiedenheit  beider  Götter  ein  Drittes
die  Zusammensetzung  beider  einzelnen  oder  jedes  von  beiden  vollführt
haben  müsste  oder  ob  das  Dritte  als  räumliches  Trennendes  aufzufassen
sei,  wie  es  in  dem  Fragmente  Abraham  ihn  Esras  heisst  (Kerem  Chemed
IV.,  s.  4):  d’üu  ’3©  ’d  jhki  ib  ’3©  pKi  "inx  ©’  ax  'ba©a  ’aab  ipn  ny
m  p©ö  i©K3  mnx.  a'x-ip»  '3©  pa  ©ism  ani3'a  b’ian  nxsn  Dnn©na
a'©iinb  an  D’iwn  ’3©ai  a’cin  anan  '3©  ibui  m  p©a  xb,  Bisst  sich
kaum  entscheiden.  Abraham  ihn  Daud  a.  a.  O.  S.  49  hat  den  Beweis
bereits  in  der  Form,  in  der  ihn  Maimonides  als
(I,  75,  2)  verwerthet  hat  (Guide  II.  1.  S.  44),  dass  nämlich  das  Nothwendig-Existirende
  keinerlei  Zusammensetzung  ertrage,  bei  zwei  verschiedenen ­
  Göttern  aber  noth  wendig  einer  oder  beide  aus  dem  Wesen
der  Gottheit  und  einem  trennenden  Merkmal  zusammengesetzt  sein  müssten.
Die  Fassung  dieses  Beweises*,  wie  Abraham  ihn  Daud  und  Maimonides
ihn  anführen,  scheint  mir  von  Ihn  Sina  herzurühren,  dem  die  Lehre
vom  Nothwendig-Existirenden  überhaupt  ihre  Ausbildung  verdankt.  Schahrastani
  führt  diesen  Einheitsbeweis  in  der  Darstellung  der  aristotelischen
Lehren  nicht  als  von  Aristoteles,  sondern  ,von  den  Vertheidigern  seiner
Lehre 4  herrührend  an  (Schahr.  II.  II,  löl)  und  scheint  darunter  den  Ihn
Sina  zu  verstehen,  da  er  in  der  Darstellung  seiner  Philosophie  ausführlich ­
  die  Lehre  vom  Nothwendig-Existirenden  und  diesen  Beweis  bespricht,
a.  a.  0.  II,  251-^253.  Betrachten  wir  nun  den  Beweis  bei  Bachja,  so
finden  wir  hier  die  Wendung,  dass  der  Unterschied  ttHÖH  =
(Guide  II,  c.  1  f.  Ob.)  eine  Begrenzung  hervorrufe,  aus  welcher  durch  eine  Kette
zum  Theil  gewagter  Behauptungen  Zusammensetzung  gefolgert  wird.  Nur
die  Unbekanntschaft  Baclijas  mit  der  Lehre  Ihn  Sinas  vom  Nothwendig-16*


i
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.