Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

224

Kaufmann.

muss  also  eine  erste  Ursache  gelben;  III.  alles  Zusammengesetzte ­
  ist  geschaffen.  Von  der  Sicherheit  jeder  dieser  Prämissen ­
  hängt  die  Kraft  des  Beweises  ab,  es  gilt  also  zuvor,
jene  als  sicher  nachzuweisen.
I.  Alles  Entstandene  kann  nur  entweder  durch  sich  selbst
oder  durch  ein  anderes  entstanden  sein.  Setzen  wir  den  Fall,
es  sei  durch  sich  selbst  entstanden,  so  musste  es  zur  Zeit,  da
es  sich  schuf,  entweder  bereits  existiren  oder  nicht  existiren.
Hatte  es  aber  bereits  existirt,  dann  brauchte  es  nicht  mehr  zu
entstehen,  war  es  schon  vorhanden.  Hatte  es  hingegen  nicht
existirt,  war  es  also  nichts, 1  dann  kann  von  einem  Nichtthun
oder  Thun  nicht  mehr  die  Rede  sein,  denn  das  Nichtseiende
schafft  nichts.  Ein  Ding  kann  also  unmöglich  sich  selbst  gemacht ­
  haben  Somit  steht  die  erste  Prämisse 2  fest.
II.  Besondere  Sorgfalt  erfordert  der  Nachweis  der  zweiten
Prämisse,  die  neben  ihrer  grossen  Wichtigkeit  als  Grundlage

1  ES1N1  BEN  rrn  rUB  (S.  48)  lautet  der  Nachsatz  in  neueren  Ausgaben.
Weder  die  Annahme  des  Commentars  masbn  nuö  von  dem  potentiellen  und
actuellen,  also  den  zwei  Arten  des  Nichts,  noch  die  Lehre  Schraiedls
(Studien  S.  106,  107)  von  dem  ,doppelten  Nichts 4  oder  dem  das
Nichts  der  Materie  erzeugenden  Nichts,  wie  er  die  Stelle  zu  übersetzen ­
  offenbar  gezwungen  wäre,  vermögen  die  Worte  BB1N1  ESN  sachlich
oder  philologisch  zu  rechtfertigen.  Die  Venetianer  Ausgabe  hat  ESN  allein.
In  der  That  scheint  das  Wort  ES1N1  durch  Dittographie  des  den  folgenden ­
  Satz  einleitenden  Wortes  ESNm  in  unseren  Text  sich  mit  Unrecht
eingeschlichen  zu  haben.
2  Der  Beweis  für  diese  Prämisse  ist  dem  zweiten  Beweise  des  Saadias  für
den  gleichen  Satz  völlig  entlehnt  (Emunoth  I,  2,  S.  20),  vrgl.  Schmiedl
a.  a.  O.  S.  106.  Auch  Maimonides  bedient  sich  dieses  Satzes,  um  die
Annahme  eines  Schöpfers  zu.  beweisen,  aber  bei  ihm  bedarf  es  nicht  erst
eines  Nachweises,  ,ist  es  vielmehr  ein  Gemeinbegriff,  dass  ein  Geschaffenes
sich  nicht  selber  schafft,  sondern  sein  Schöpfer  ausser  ihm  ist 4  (Guide  I,
c.  71  f.  97  a  S.  349)  ^

x'<(\.  <o  Diese  Fassung  der  Prämisse  ist  die  allgemeinere,
wie  sie  für  den  Beweis  eines  Schöpfers  geeignet  ist.  Beschränkter  lautet
die  Fassung,  wie  sie  zur  Annahme  eines  ersten  Bewegers  hinleitet.  Sie
ist  es,  die  bei  Albo  (Ikkarim  II,  4)  behandelt  wird  und  nicht  jene
allgemeine  des  Saadias  und  Bachja.  Fälschlich  wird  daher  von  den
Commentatoren  zu  der  angeführten  Stelle  des  Saadias  auf  jene  Behandlung ­
  bei  Albo  wie  auf  eine  Analogie  hingewiesen,  was  sie  ebenso  wenig
ist,  wie  ihre  Quelle,  die  achtzehnte  Proposition  des  Maimonides  (Moreh  II)*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.