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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Kauf  manu.

zusammenstimmen,  nachdem  durch  Beweise  die  Bestätigung  seines
Daseins  und  das  wahre  Wesen  seiner  Einheit  auf  speculativem
Wege  erfasst  wurden/  Die  vierte  und  allein  vollkommene  Art  des
Gottesglaubens  findet  sich  daher  nur  bei  denjenigen,  die  neben
der  Ueberzeugung  von  Gott  auch  klare  Begriffe  von  dem  Wesen
seiner  Einheit  haben  (c.  4).  Zu  dieser  Tiefe  des  Verständnisses
sind  nur  die  Erlesensten  unter  den  Gläubigen  vorgedrungen
(c.  2),  wie  diess  bereits  der  Philosoph  1  ausdrückt:  ,Die  Ursache
der  Ursachen  und  das  Princip  der  Principien  kann  nur  der
durch  seine  Anlage  ausgezeichnete  Prophet  oder  der  durch
seinen  Schatz  an  Erkenntniss  hervorragende  Denker  anbeten;
die  Uebrigen  aber  beten  ein  Anderes  an,  weil  sie  ein  Seiendes
nur  zusammengesetzt  sich  denken  können'.  Zum  wahren  Glauben
ist  daher  Erkenntniss  unerlässlich  und  jeder  ist  verpflichtet 2 ,
die  Wahrheiten  des  Glaubens  mit  seinen  Verstandeskräften  zu
prüfen  und  zu  durchdringen.  ,Wer  die  Forschung 3  unterlässt,
ist  tadelnswerth  und  zählt  zu  denen,  die  im  Erkennen  und
Handeln  nicht  ihrer  Pflicht  genügen'  (c.  3).  Er  gleicht  dein
der  Medicin  kundigen  Kranken,  der  blind  seinem  Arzte
traut,  ohne  die  Richtigkeit  seines  Verfahrens  zu  prüfen.  Das

1  Diesen  Satz  citirt  auch  Josef  ibn  Zadik  in  seinem  ,Mikrokosmos‘  (S.  20):
■vnn  toaj  xbx  mbyn  nbr  ns  fDj>b  bnv  >6»  D'BiDib’En  nnx  nin  im  2
’ijfö  was'’  xb  dis  '33  ixto  'ab  inan  ja  ins*  *u»X3  int  epcib's  ix  lyaaa
33-iia  xbx.  Von  Belang-  bei  dieser  Anführung-  ist  nur  der  Umstand,  dass
der  Satz  hier  mit  a'Bioib'Bn  niax  ,die  Philosophen  sagen 1  eingeleitet
wird,  während  er  bei  Bachja  als  Ausspruch  des  Philosophen  auftritt,
unter  dem  man  gewöhnlich  den  Aristoteles  versteht.  Die  D'BiDib’sn
Josef  ibn  Zadiks  sind  aber,  wie  eine  Vergleichung  von  Mikrokosmos
S.  19  mit  Dieterici,  Anthropologie  S.  59  lehrt,  die  lauteren  Brüder,  denen
auch  dieser  Satz  in  der  That  entlehnt  sein  mag.  Zum  Gedanken  vrgl.
die  Anführung  bei  Josef  ibn  Zadik,  Mikrok.  S.  47,  nach  der  nur
D'bBbisan  D'öBnm  an  der  Erkenntniss  Gottes  Theil  haben.
2  Die  nach  dem  Vorgänge  der  Mu’laziliten  von  Saadias  (Emunotb,  Einleitung ­
  S.  12)  behandelte  Frage,  welchen  Zweck  die  Offenbarung  gehabt
habe,  da  ihre  Lehren  Ergebnisse  der  Speculation  sind,  bespricht  Bachja
in  der  dritten  Pforte  c.  3  (S.  140—145),  nur  dass  die  Frage  bei  ihm
nicht  in  der  scharfen  Fassung  gestellt  ist,  in  der  sie  bei  Saadias  auftritt.
  Vrgl.  Schahr.  H.  I,  44,  51.
3  Auch  im  Kaläm  scheint  stets  eine  Begründung  der  Speculation  den
Anfang  gemacht  zu  haben,  vrgl.  Frankl  a.  a.  O.  S.  16,  vrgl.  auch  Josef
ibn  Zadik,  Mikrok.  S.  43.
            
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