Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

216  Kaufmann.
Ein  Werk,  das  in  allen  seinen  Theilen  die  Forderung  vorträgt, ­
  unser  Denken  und  Handeln  mit  dem  Gedanken  an  Gott
zu  durchdringen,  ohne  Auseinandersetzung  über  Gott,  wäre  ein
Gebäude  ohne  Grundlage.  Es  ist  Bachja’s  Art,  zu  Anfang  einer
jeden  Pforte  über  Begriff  und  Wesen  des  in  ihr  behandelten
Gegenstandes  sich  mit  dem  Leser  auseinanderzusetzen.  Wie
hätte  er  da  bei  dem  Gegenstände  seines  ganzen  Werkes,  bei
Gott  eine  Begriffsbestimmung  und  eingehende  Untersuchung
unterlassen  können?  Es  war  eine  aus  dem  Plane  des  Buches,
das  nach  den  Wurzeln  der  Herzenspflichten  eingetheilt 1  und
angelegt  ist,  nothwendig  hervorgehende  Forderung,  die  Wurzel
dieser  Wurzeln,  den  Gottesbegriff  durch  Beweise  zu  stärken
und  als  Grundlage  des  Ganzen,  so  weit  es  möglich  ist,  sicher
zu  stellen.
Allerdings  hätte  Bachja  sich  dabei  begnügen  können,  den
Gottesbegriff  so  in  sein  Werk  aufzunehmen,  wie  er  den  Meisten
geläufig  und  von  der  Tradition  überliefert  wird.  Er  war  aber
von  der  Bedeutung  der  Erkenntniss  für  einen  geläuterten
Glauben  viel  zu  sehr  durchdrungen,  als  dass  er  bei  dem  wichtigsten ­
  Begriffe  des  Glaubens,  bei  Gott  mit  der  ungeprüften
und  unbewiesenen  Annahme  unter  Voraussetzung  ihrer  Wahrheit ­
  sich  begnügt  hätte.  Wie  nöthig  er  es  fand,  mit  einer  philosophischen ­
  Untersuchung  über  Gott  sein  Werk  zu  beginnen,
zeigen  seine  bitteren  Bemerkungen  über  die  bei  den  meisten
Gläubigen  verbreiteten  Arten  des  Gottesglaubens.  Dieser  besteht
bei  Vielen  in  einem  blossen  Nachsprechen,  erhebt  sich  also  nicht
über  die  Stufe  der  Kinder  und  der  Gedankenlosen  (c.  2).  Andere
bekennen  zwar  Gott  in  Wort  und  Gedanken,  sie  verstehen
zwar  das,  was  die  Ueberlieferung  sie  darüber  gelehrt  hat  (c.  1),
aber  es  ruht  bei  ihnen  nur  auf  dem  Vertrauen  zu  den  Ueberliefernden,
  nicht  auf  dem  unerschütterlichen  Grunde  vernünftiger
Ueberzeugung.  Sie  gleichen  den  Blinden,  die  vertrauensvoll
von  einem  Sehenden  sich  leiten  lassen,  dafür  aber  jeden  Fall

“llirn  1ÖKÖ  liiess,  wie  es  im  ersten  Buche  c.  4  (p.  13  a.  ed.  Berlin)  genannt ­
  wird.  Die  Bedeutung  von  Tin'  als  ,Gottesglaube 1  tritt,  wie  im
ganzen  ersten  Buche  des  Choboth,  besonders  am  Schlüsse  von  c.  4  hervor.
i  nuisatton  mai  irmbn  nmn  ’un»  ^  pbnna  mv»  ibd  sagt  Bachja
in  der  Einleitung  (S.  24).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.