216 Kaufmann.
Ein Werk, das in allen seinen Theilen die Forderung vorträgt,
unser Denken und Handeln mit dem Gedanken an Gott
zu durchdringen, ohne Auseinandersetzung über Gott, wäre ein
Gebäude ohne Grundlage. Es ist Bachja’s Art, zu Anfang einer
jeden Pforte über Begriff und Wesen des in ihr behandelten
Gegenstandes sich mit dem Leser auseinanderzusetzen. Wie
hätte er da bei dem Gegenstände seines ganzen Werkes, bei
Gott eine Begriffsbestimmung und eingehende Untersuchung
unterlassen können? Es war eine aus dem Plane des Buches,
das nach den Wurzeln der Herzenspflichten eingetheilt 1 und
angelegt ist, nothwendig hervorgehende Forderung, die Wurzel
dieser Wurzeln, den Gottesbegriff durch Beweise zu stärken
und als Grundlage des Ganzen, so weit es möglich ist, sicher
zu stellen.
Allerdings hätte Bachja sich dabei begnügen können, den
Gottesbegriff so in sein Werk aufzunehmen, wie er den Meisten
geläufig und von der Tradition überliefert wird. Er war aber
von der Bedeutung der Erkenntniss für einen geläuterten
Glauben viel zu sehr durchdrungen, als dass er bei dem wichtigsten
Begriffe des Glaubens, bei Gott mit der ungeprüften
und unbewiesenen Annahme unter Voraussetzung ihrer Wahrheit
sich begnügt hätte. Wie nöthig er es fand, mit einer philosophischen
Untersuchung über Gott sein Werk zu beginnen,
zeigen seine bitteren Bemerkungen über die bei den meisten
Gläubigen verbreiteten Arten des Gottesglaubens. Dieser besteht
bei Vielen in einem blossen Nachsprechen, erhebt sich also nicht
über die Stufe der Kinder und der Gedankenlosen (c. 2). Andere
bekennen zwar Gott in Wort und Gedanken, sie verstehen
zwar das, was die Ueberlieferung sie darüber gelehrt hat (c. 1),
aber es ruht bei ihnen nur auf dem Vertrauen zu den Ueberliefernden,
nicht auf dem unerschütterlichen Grunde vernünftiger
Ueberzeugung. Sie gleichen den Blinden, die vertrauensvoll
von einem Sehenden sich leiten lassen, dafür aber jeden Fall
“llirn 1ÖKÖ liiess, wie es im ersten Buche c. 4 (p. 13 a. ed. Berlin) genannt
wird. Die Bedeutung von Tin' als ,Gottesglaube 1 tritt, wie im
ganzen ersten Buche des Choboth, besonders am Schlüsse von c. 4 hervor.
i nuisatton mai irmbn nmn ’un» ^ pbnna mv» ibd sagt Bachja
in der Einleitung (S. 24).