Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Theologie  des  Bachja  ibn  Pakuda.

215

strengsten  Sinne  praktisch,  sie  gewinnt  einen  ordnenden  Einfluss ­
  auf  das  Leben.  Das  Werk  eines  Denkers  von  der  bezeichneten
  Richtung,  wie  Bachja,  das  sich  es  vorsetzt,  die  Läuterung
und  Heiligung  unserer  Gesinnungen  und  Handlungen  und  deren
Mittel  zu  behandeln,  wird  daher  der  Natur  der  Sache  gemäss
mit  einer  Darlegung  unseres  Verhältnisses  zum  Absoluten  und
seiner  Unbegreifbarkeit  durch  unser  Denken  zu  beginnen  haben.
Nicht  ohne  inneren  Grund  1  oder  gar  zufällig 2  steht  daher  an
der  Spitze  der  ,Herzenspflichten'  Bachja’s  Theologie. 3

1  Wie  Grätz  (Geschichte  VI 2 ,  45)  und  Sclimiedl  (Studien,  S.  105)  es  darstellen, ­
  nach  deren  Ansicht  die  erste  Pforte  der  ,Herzenspflichten 4  nicht
notliwendig'  aus  der  Anlage  des  Werkes  hervorgegangen  ist,  sondern  nur
aus  äusseren  Beweggründen,  wie  ,um  der  in  seiner  Zeit  herrschenden  Vorliebe ­
  für  philosophische  Untersuchungen  sich  nicht  ganz  zu  entziehen 4 ,  als
,Tribut 1  an  die  ,Zeitrichtung 4  von  Bachja  dem  Werke  einverleibt  wurde.
2  Wenn  es  nach  der  Aeusserung  Bachjas  (r,  1,  S.  40,  Z.  3  v.  u.)  den  Anschein ­
  hat,  als  verdanke  die  Theologie  ihre  Voranstellung  in  dem  Werke
nur  einer  zufälligen  Schriftdeutung,  so  muss  man  ’  sich  dabei  erinnern,
dass  es  seine  Weise  ist,  auf  dem  Wego  reinen  Denkens  gefundene  Ergebnisse ­
  aus  der  Schrift  nachzuweisen  oder  an  eine  Deutung  anzulehnen.
3  Ungenau  und  zu  vielen  leichteren  und  schwereren  Missverständnissen
Anlass  gebend  ist  die  bei  allen  Uebersetzern,  selbst  Munk  nicht  ausgeschlossen. ­
  gebräuchliche  Uebersetzung  des  neuhebräischen  Ausdruckes
"ni-p  durch  .Einheit  Gottes 4 .  TirP  ist  dem  arabischen  Kunstausdruck
treu  nachgebildet.  Dieser  aber  bedeutete  im  Kreise  der  Mu’tazila
das,  was  wir  etwa  Theologie  im  engeren  Sinne  nennen.  Schahrastani  schliesst
seine  Darstellung  dervonallen  Mu’taziliten  anerkannten,  auf  Gott  bezüglichen
Lehren  und  deren  Ausgleichung  mit  der  Schrift  mit  den  Worten  (I,  30):
JL+äJI  !  ,sie  nennen  diese  Art  und  Weise  des
Verfahrens  das  Einheitsbekenntniss 4  (Haarbriickers  Uebers.  I,  43).  In
diesem  Namen  für  Theologie  und  Gottesglauben  ist  das  Moment  der
Einheit  darum  so  hervorgekehrt,  weil  es  eine  Hauptaufgabe  der  Mu’tazila
war,  neben  der  Einzigkeit  Gottes  seine  Einfachheit  innerhalb  seiner
Eigenschaften  zu  lehren  und  zu  beweisen.  In  diesem  Sinne  nannten  sie
sich  Anhänger  des  Einheitsbekenntnisses,  vrgl.  Schahrastani  II.  I,  41  und
in  diesem  Sinne  schrieb  bereits  ihr  Stifter,  Wasil  ibn  Ata,  ein  Buch
über  das  Einheitsbekenntniss,  vrgl.  Kremor,  Geschichte  der  herrschenden
Ideen  des  Islams  S.  28.  Darum  heisst  denn  auch  bei  Joseph  al-Basir
die  Gruppe  der  auf  Gott  bezüglichen  Abschnitte  seines  Wurzelbuchs
-nrrn  vrgl.  Fraukl,  ein  mu’tazilitischer  Kaläm  S.  11,  wie  denn
auch  Saadias  zweites  Buch  des  Emunoth  nicht,  wie  cs  bei  uns  heisst
rvnnN  1DKÖ,  sondern  nn’n  PSB  (s.  G.  Polak’s  Dip  ms'bn  S.  70)  oder
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.