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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

mit  mystischen  Elementen  zu  durchsetzen,  glücklich  überwunden.
Von  welcher  Wichtigkeit,  von  welch’  culturgeschichtlicher  Bedeutung- ­
  diese  Reinheit  des  Buches  von  allen  mystischen  Trübungen ­
  war,  wird  sofort  in  klares  Licht  gesetzt,  wenn  wir  der
Thatsache  uns  erinnern,  dass  es  eines  der  volksthümlichsten
jüdischen  Bücher  wurde,  und  durch  eben  diese  seine  Reinheit
die  Generationen  vieler  Jahrhunderte  religiöse  Erhebung  und
sittliche  Läuterung  aus  ihm  schöpfen  konnten,  wie  aus  ewigsprudelndem ­
  Quelle.
Bachja’s  Theologie.
In  Bachja’s  ,Anleitung  zu  den  Herzenspflichten'  durfte
eine  Darstellung  seiner  Lehre  von  Gott  nicht  fehlen.  Wie  im
Neuplatonismus,  so  fliesst  auch  in  den  von  neuplatonischen
Ideen  durchzogenen  Systemen  der  Araber  1  leicht  und  ungezwungen ­
  aus  der  Weltanschauung  die  Ethik. 2  Vermöge  ihrer
göttlichen  Abstammung  ist  die  Seele,  so  lehren  sie,  befähigt
und  berufen,  das  Uebersinnliche  zu  erfassen,  anzuschauen.  Aber
hineingesetzt  in  den  Körper  fühlt  sie  sich  beschwert  von  der
Last  der  Materie,  gefesselt  von  den  Banden  der  Leidenschaften
aller  Art  und  vermag  nicht  mehr  das  Absolute  zu  begreifen.
Da  ist  es  denn  ihre  Aufgabe,  die  Schranken  der  Körperlichkeit
nach  Kräften  zu  durchbrechen,  die  Fesseln  der  Sinnlichkeit
so  viel  als  möglich  abzustreifen,  um  emporzudringen  zur  Anschauung ­
  ihres  göttlichen  Urquells.  Hier  wird  die  Philosophie  im
scheint  nach  dem  Ausdruck  des  Uebersetzers  film 1 ?!!  lYDin  fllltl
I  ^Jt  äjtcL^Jl  i«jLx5^  der  richtige  Titel.
1  Ueber  die  Kenntniss  von  den  neuplatonischen  Lehren  und  Anschauungen
bei  den  Arabern  wie  über  die  Quellen,  aus  denen  sie  zu  ihnen'  gelangten,
vrgl.  Munks  Melanges  S.  240—242,  248,  261,  Steinschneiders  Al-Farabi
S.  115,  Anm.  50  und  Sehahr.  deutsch  von  Haarbrücker  II,  192—197;  429.
2  Welch  enger  Zusammenhang  zwischen  Ethik  und  Metaphysik  selbst  bei
Ihn  Sina  besteht,  der  unter  den  arabischen  Peripatetikern  von  neuplatonischen
  Einflüssen  sich  so  viel  als  möglich  frei  zu  halten  verstand,  kann
man  aus  der  Darstellung  seiner  Lehren  bei  Schahrastaui  (H.  II,  278,  279)
deutlich  erkennen.  Vrgl.  auch  Ritter,  Geschichte  der  Philosophie  Bd.  VIII,
            
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