Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

dass  sie  im  letzten  Grunde  über  die  höchsten  Wahrheiten  uns
nichts  lehren  könne,  dennoch  die  Beschäftigung  mit  ihr  zur
Befestigung  der  religiösen  Ueberzeugung  für  unerlässlich  erachtet.
Der  Charakter  seiner  Religionsphilosophie  ist  ein  eklektischer. ­
  Es  ist  kein  geschlossenes  System  neuer  Gedanken,
was  in  seinem  Werke  uns  entgegen  tritt,  darauf  hat  er  es  gar
nicht  abgesehen,  aber  auch  kein  Mengsei  von  allen  Orten  zusammengelesener ­
  Gedanken  wird  darin  uns  geboten,  es  ist  vielmehr ­
  der  Eklekticismus  eines  mit  Wahl  und  Prüfung  verfahrenden
Denkers,  der  darin  zum  Vorschein  kommt.  Aengstliches  Anklammern ­
  an  fremde  Gedanken,  blinde,  wahllose  Benützung
seiner  Quellen  begegnet  bei  ihm  uns  nirgends.  Die  Gedanken,
die  er  von  andersher  entlehnt,  sind  sein  geistiges  Eigenthum
geworden,  er  hat  sie  verarbeitet,  eine  selbstständige  Fassung
ihnen  gegeben,  in  eigentümlicher  Färbung  sie  verwertet,  sie

er  sagt  (Kusari  ed.  Cassel  V,  2;  S.  372):  Ö'KIpn  “p“!  bj>  "p  JÜ3K  Nb
nma  ’ba»  rmbia  naann  ba  iby,  vrgi.  Hebr.  Bibi,  ix,  170.  in  der
That  stellt  auch  der  Karäer  Nissim  ben  Noach  die  Metaphysik  als  erste,
als  Anfang  der  Wissenschaften  (Pinsker,  Likkute  Kadmon.  Beilage  S.  9).
Und  auch  Mokämmez  stellt  sie  an  die  Spitze  seiner  Eintheilung  mit  den
Worten:  inanrnpjn  jvbjninanronMnn  nbuan  rubra  irbirb  pbm  jnam
’nbun  (Orient  1847  Lb.  620),  wofür  schon  Steinschneider  (Ursch  und
Gruber:  .Tüd.  Lit.  S.  397  Anm.  3)  den  Grund  in  seinem  angeblichen
Karäerthum  gesucht  hat.  Dass  der  orthodoxe  Standpunkt  eines  Philosophen ­
  bei  den  Arabern  Einfluss  auf  seine  Eintheilung  der  Wissenschaften
hatte,  sehen  wir  an  Gazzali,  der  genau  die  Eintheilung  des  Mokämmez
annimmt’(Schmölders,  Essai  S.  222).  Auch  Schahrastani  (H.  II,  78)  ordnet
die  von  den  älteren  griechischen  Philosophen  behandelten  Wissenschaften
in  derselben  Weise,  wo  übrigens  dieselbe  Terminologie  wie  bei  Bachja
für  dieselben  gebraucht  ist.  Nach  philosophischem  Standpunkt  steht
die  Metaphysik  gewöhnlich  am  Schlüsse  der  Eintheilung.  So  bei  den
lauteren  Brüdern,  die  unter  den  Dingen,  die  eine  Dreiheit  ausmachen,  die
Wissenschaften  aufzählen:  ,die  drei  Wissenschaften  Propädeutik,  Naturund
  Religionswissenschaft 1  (Weltseele  S.  2).  Nach  der  gleichen  Eintheilung
will  Jelmda  Plalewi  die  Wissenschaften  behandelt  sehen  (a.  a.  0.)  und
auch  Abraham  ibn  Daud  nennt  sie  in  folgender  Ordnung  i-M
nvnbt<m  nmatani  nvnabn  niasnn  =  yyLuuJaJIj
(Emunah  ramah  ed.  Weil  p.  58).  Die  Angabe  Bachjas  über  den  Inhalt
der  Naturwissenschaften  jrVHpÖI  DISU“!  DDDH  K\H1  stimmt  mit  der
der  lauteren  Brüder  überein:  ,Gegenstand  der  Naturwissenschaft  sind  die
Körper  und  das,  was  an  festhaftenden  oder  trennbaren  Accidenzen  den-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.