Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Tlieologie  des  Baclija  ibn  Pakuda.

209

Philosophie  zeigt  sich  so  wenig  1  eine  sichere  Spur,  dass  man
kaum  mit  Gewissheit  zu  behaupten  vermag,  Bachja  habe  aus
dem  Aristoteles  selbst  geschöpft.  Jedenfalls  waren  es  neuplatonische ­
  Commentare,  die  ihm  den  wahren  Sinn  des  Stagiriten
verdunkelten,  wie  er  denn  überhaupt  vornehmlich  neuplatonische
Werke  benützt  zu  haben  scheint,  und  von  ihren  Lehren  sich
stark  beeinflusst  zeigt.
Eine  ähnliche  Bewandtniss  hat  es  mit  seiner  Kenntniss
des  Kal  am  s.  Ob  er  diesen  aus  den  Werken  der  Araber  kennen
gelernt  hat,  es  kann  nicht  mit  Sicherheit  behauptet  werden,
vielmehr  scheint  er  nur  die  gewöhnliche  Methode  desselben
angenommen  und  selbst  diese  nur  aus  jüdischen  religionsphilosophischen ­
  Schriften  erfahren  zu  haben.  Seiner  Darstellung
fehlt  die  echtkalamistische  Färbung,  eine  deutliche  Beziehung
auf  arabische  Schulstreitigkeiten  ist  bei  ihm  nicht  anzutreffen,
die  Entfernung  von  Basra  und  von  Bagdad  prägt  sich  auch
in  dem  Charakter  seine] 1  Philosophie  aus.

Bachja  als  Philosoph.
Schon  in  seiner  Eintheilung 2  der  Wissenschaften  erweist
sich  Bachja  als  Anhänger  der  Philosophie,  der  zwar  überzeugt,

1  Munks  gegenteilige  Behauptung  (Melanges  483)  lässt  sich  aus  Bachjas
Philosophie  nicht  bestätigen.

2  In  der  Einleitung  zu  den  ,Herzenspflichten 4  gibt  Baclija  eine  Aufzählung
der  drei  ,Zugänge  für  die  Lehre  und  das  Leben 4 ,  der  drei  Th  eile  der  Wissenschaften. ­

  1.  die  Naturwissenschaft.  2.
die  propädeutischen  Wissenschaften.  3.  die  theologischen
Wissenschaften  oder  die  Metaphysik.  Diese  Voranstellung  der  Naturwissenschaften ­
  ist  ein  Kriterium  dafür,  dass  ihr  Urheber  zu  den  Philosophen ­
  hinüberneigte  (vrgl.  Hebr.  Bibi.  X,  72,  73),  wie  sie  denn  auch
den  Standpunkt  der  freisinnigeren  Richtung  unter  den  Arabern  gegen  die
orthodoxe  kennzeichnet.  Die  Mutakallimün  und  ihnen  folgend  die  Karäer,
  rvie  auch  die  frommen  Philosophen  der  Araber  stellen  die  Theologie
an  die  Spitze  der  Wissenschaften,  weshalb  es  von  ihren  Gegnern  ihnen
vorgeworfen  wurde,  dass  sie  ohne  alle  Vorbereitung  gleich  in  metaphysische ­
  Probleme  sich  hineinwagen  (Haneberg  a.  a  O.  S.92).  Dass  die  Karäer
,oline  Vorstufe  die  Metaphysik  ersteigen 1 ,  lehrt  uns  Jehuda  Halewi,  wenn
Sitzungsker.  d.  phil.-hiat.  CI.  LXXVII.  I5d.  I.  Hft.  14
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.