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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Kaufmann.

durchaus  im  Einklänge  1  mit  den  Lehren  des  Islams  darzustellen,
der  Orden  der  lauteren  Brüder 2 .  Um  ihrem  Zwecke  zu  genügen, ­
  legten  sie  das  gesammte  Wissen  ihrer  Zeit  in  einem  Werke
nieder,  das  mit  vollem  Rechte  den  Namen  einer  Encyclopädie  der
Wissenschaften  3  verdient.  Originalität  ist  es  am  wenigsten,  was
man  ihnen  nachrühmeu  könnte  und  es  scheint  auf  solche  von
ihnen  auch  gar  nicht  angelegt  gewesen  zu  sein.  Worauf  es
diesen  frommen 4  Encyclopädisten  vornehmlich  ankam,  das  war
lediglich  die  verständliche  und  leichtfassliche  Darstellung,  mit
Einem  Worte  die  Popularisirung  der  Wissenschaft,  durch  die
den  Frommen  Erleuchtung,  den  Ketzern  aber  der  Beweis  ge-1

  Fiir  diese  von  Munk  (Melanges  329)  aufgestellte  Ansicht  spricht  das
Werk  der  lauteren  Brüder  selber.
2  IjLoJ!  ^  L  O  Dass  sie  nicht  allein  einen  zur  Herausgabe  eines
Werkes  vereinigten  Gelehrtenverein,  sondern  vielmehr  eine  Gesellschaft,
einen  Orden  bildeten,  der  um  gewisse  Prinzipien  seine  Mitglieder  schaarte,
wenn  sie  auch  kaum  ,ein  Freimaurerorden  des  XI.  (?)  Jahrhunderts 1
(Hebr.  Bibi.  II,  91)  gewesen,  geht  aus  Andeutungen  ihres  Werkes  (z.  B.
Dieterici,  Naturanschauung  S.  23)  selbst  hervor.  Vrgl.  Sadi’s  Gulistän  II,  tö.
3  Von  diesem  Werke  Li.ta.JI  JoLw^,  dessen  grössten  Theil
Hr.  Prof.  Dieterici  durch  seine  Uebersetzungen  der  Wissenschaft  zugänglich ­
  gemacht  hat,  gibt  es  verschiedene  Recensionen,  vrgl  Haneberg
in  den  Sitzungsberichten  der  k.  baier.  Akademie  der  Wissenschaften  1866
II,  Heft  II.  Für  diese  Abhandlung  sind  benützt  die  folgenden  Uebersetzungen
  Dietericis:  Die  Naturanschauung  und  Naturphilosophie  der
Araber  im  X.  Jahrhundert,  Berlin  1861;  die  Anthropologie  der  Araber
im  X.  Jahrhundert,  Leipzig  1871;  die  Lehre  von  der  Weltseele  bei  den
Arabern  im  X.  Jahrhundert,  Leipzig  1872.
4  Sie  scheinen  zwischen  den  beiden  Parteien,  in  welche  die  Schulen  des  Islams
zu  jener  Zeit  gespalten  waren,  den  Mu’taziliten  und  Mutakallimun,  eine
vermittelnde  Stellung  eingenommen  und  zu  keiner  derselben  entschieden
sich  bekannt  zu  haben,  denn  sie  polemisiren  gegen  beide,  gegen  jene
z.  B.  Dieterici,  Logik  und  Psychologie  der  Araber  im  X.  Jahrhundert
S.  58,  gegen  diese,  denen  sie  es  zum  Vorwurf  machen,  dass  sie  ohne
Vorbereitung  in  den  propädeutischen  Wissenschaften  unmittelbar  ,ins
Meer  der  Metaphysik  tauchen 1  (Haneberg  a.  a.  0.  S.  92  und  Steinschneider, ­
  Hebr.  Bibi.  IX,  170).  Sie  sind  also  nicht  Mu’taziliten  gewesen,  wie
Schmölders  (Essai  S.  200  Anm.)  annimmt,  wenn  sie  auch  mehr  einer
freisinnigen  Richtung  scheinen  zugeneigt  gewesen  zu  sein,  was  man  vielleicht ­
  schon  aus  dem  Mangel  ausführlicher  historischer  Angaben  über
sie  bei  den  fanatischen  Arabern  schliessen  kann.  Den  Fluch  aller  Vermittlerrollen, ­
  den  Undank  beider  Parteien  haben  auch  sie  tragen  müssen.
            
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