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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Theologie  des  Bachja  ihn  Pakuda.

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war,  nicht  leicht  übergangen  uncl  durch  eine  andere  ersetzt
werden  konnte,  so  ist  uns  die  von  Bachja  gegebene  Eintheilung
der  Seelenkräfte  dafür  wenigstens  ein  Beweis,  dass  ihm  die
von  Ihn  Sina  herrührende  nicht 1  bekannt  war.
Wer  waren  nun  aber  jene  arabischen  Philosophen,  deren
Aussprüche  Bachja  für  sein  Werk  benützt  zu  haben  angibt?  Jene
Männer  scheinen  es  gewesen  zu  sein,  die  unter  den  Arabern
der  Aufgabe  sich  unterzogen,  fromme  Aufklärung  zu  verbreiten,
die  Wahrheiten  der  griechischen  Philosophie  und  Wissenschaft  als

aie  nicht  an  allen  Orten  seiner  Schriften  in  der  vollständig’  entwickelten
Gestalt  auftritt,  welche  sie  zuletzt  bei  ihm  annahm‘  (Gesch.  der  Phil.
VIII,  35,  2).  Auf  Ihn  Sina  hat  denn  auch  Munk  (Melanges  363,  2)  ,die
bei  allen  arabischen  Philosophen,  bei  den  Scholastikern  und  bei  einigen
neueren  Philosophen  anzutreffende  Eintheilung  der  Seelenkräfte*  zurückgeführt, ­
  vrgl.  auch  Ritter  a.  a.  0.  Die  Darstellungen  bei  Cassel  (a.  a.  0.)
und  Scheyer  (das  psychologische  System  des  Maimonides  S.  11,  besonders ­
  am  Schlüsse  von  Anm.  1)  sind  im  Ganzen  wie  in  vielen  Einzelheiten ­
  hiernach  zu  berichtigen.
1  Bac.hjas  Eintheilung  der  Seelenkräfte  findet  sich  I,  c.  10;  S.  82:
rronm  atotro  jvunm  nnirnöm  jv-otn  an  a^&n  oder,  wie  die

Termini  nach  dem  Oxforder  Original  lauten:  aLüLwJLÜI
(Fol.  82  der  Hdsch.)  y  ***xji 5  w kJ b  y°^b  is*-Diese

  Terminologie  stimmt  weder  mit  der  Ibn  Sinns,  noch  mit  der  Alfarabis, ­
  noch  auch  mit  der  der  lauteren  Brüder  tiberein,  die  nach
(Dieterici,  Anthropologie  S.  38;  vrgl.  auch  S.  56  und  Diet.  Weltseele
S.  46—47)  folgende  ist:  ,Die  Seele  hat  fünf  sinnliche  (leibliche)  und
fünf  andere  übersinnliche  Kräfte,  deren  Gang  ein  anderer  ist  als  jener.
Dies  sind  die  vorstellende,  denkende,  redende,  behaltende  und  bildende
Kraft 1 ,  oder  im  arabischen  Wortlaut,  den  ich  einer  Mittheilung  des  Herrn

allein,  sondern  auch  der  Bedeutung  und  dem  Inhalte  von  Bachjas  Eintheilung ­
  fehlt  es  an  jeder  Aelinlichkeit  mit  den  genannten,  wie  wir  aus
seiner  Erörterung  einzelner  der  von  ihm  angenommenen  Seelenkräfte  II,
c.  5;  S.  112—116  entnehmen  können.  Es  hat,  eben  vor  der  Eintheilung
Ibn  Siuas  an  einem  klaren  und  bindenden  Principe,  nach  dem  die  Seelenkräfte ­
  hätten  geordnet  werden  können,  vollständig  gefehlt,  weshalb  bei
verschiedenen  Autoren  vor  Ibn  Sina  die  Eintheilung  eine  verschiedene
ist.  Ein  Ansatz  zu  physiologischer  Localisirung  der  Seelenkräfte,  die
Munk  (a.  a.  0.  364  Anm.)  dem  Ihn  Sina  zuerst  zuschreibt,  findet  sich
übrigens  bereits  bei  den  lauteren  Brüdern  (Anthr.  S.  56).
            
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