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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Theologie  des  Baclija  ihn  Pakuda.

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Gibt  es  nun  bestimmte  Kennzeichen,  an  denen  die  Kenntniss
eines  Denkers  von  Ibn  Sina  mit  Sicherheit  zu  beurtheilen  wäre?
Ich  will  nicht  davon  sprechen,  dass  man  an  dem  neuplatonischen
Charakter  eines  Systems  bei  Arabern  und  Spaniern  ein  Kriterium ­
  dafür  hat,  dass  sein  Urheber  kaum  durch  die  Schule  Ibn
Sinas  hindurchgegangen  ist,  es  gibt  dafür  noch  bestimmtere
Anhaltspunkte.  Solch  ein  Anhaltspunkt  ist  in  der  Metaphysik
die  Lehre  vom  Nothwendig-Existirenden,  in  der  Psychologie
die  Eintheilung  der  Seelenkräfte.
Zwar  hat  auch  bereits  Alfarabi 1  ein  doppeltes  Sein  unterschieden, ­
  das  des  Möglichen  und  das  des  Nothwendigen  und
Gott  als  das  nothwendige  Sein,  die  Quelle  alles  möglichen  Seins
hingestellt,  aber  in  ihrer  Ausbildung  und  Entwickelung  gehört
diese  Lehre  erst  dem  Ibn  Sina  an  und  in  ihm  ist  der  Ursprung
jenes  Begriffes  zu  suchen,  der  nachmals  in  der  jüdischen  Religionsphilosophie ­
  eine  so  mächtige  Bedeutung  erlangt  hat.  Wenn
wir  nun  bei  Baclija  diesen  Begriff  vermissen, 2  ja  nicht  einmal
den  Namen:  Notliwendig-Existirender  bei  ihm  antreffen,  wenn,

Güte,  mich  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  der  Canon  Ibn  Sinas
erst  zur  Zeit  des  Abu’l  Ala  ibn  Zohr,  also  gegen  1100  in  Spanien  bekannt ­
  wurde  (vrgl.  Steinschneider  in  Virchow’s  Archiv  Bd.  57,  S.  111).
Bei  dem  allgemeineren  und  lebhafteren  Interesse  für  Philosophie  unter
den  Arabern  ist  es  jedoch  wohl  möglich  und  wahrscheinlich,  dass
Ibn  Sinas  philosophische  Schriften  früher  nach  S]3anien  gelangt  sein  werden.
1  Dies  ergibt  sich  aus  den  Fontes  quaestionum  bei  Schmölders,  Documenta
44—45.  Auf  die  Untersuchung,  ob  Baclija  den  Alfarabi  kannte,  braucht
liier  nicht  eingegangen  zu  werden.  Zur  Frage  nach  dem  Zeitalter
Bachja’s  wäre  sip  auch  nicht  von  Belang.  Uebrigens  werden  im  Verlaufe ­
  der  Darstellung  Aehnlichkeiten  mit  Alfarabi  sich  heraussteilen,  die
uns  aber  zur  entschiedenen  Behauptung,  dass  Bachja  den  Alfarabi  gekannt ­
  und  benützt  habe,  durchaus  noch  nicht  berechtigen  können.
2  Für  die  Behauptung,  Bachja  habe  in  neuplatonischer  Ueberschwenglichkeit
etwa  die  Bezeichnung  Gottes  als  des  Nothwendig-Existirenden  verworfen,
wobei  also  immer  noch  die  Möglichkeit  übrig  bliebe,  dass  Bachja  Ibn
Sinas  Lehre  gekannt  habe  und  sie  nur  nicht  benützen  wollte,  liegt  in
der  Darstellung  Bachjas  nicht  der  mindeste  Grund  vor,  da  wir  nicht
einmal  einer  Andeutung  darüber  bei  Bachja  begegnen,  dass  Gott  über
das  Sein  hinaus  sein  müsse  (vrgl.  Zeller,  Phil.  d.  Gr.  III 2 ,  2,  S.  435,  1),
oder  dass  Bachja  sich  dagegen  irgend  gesträubt  hätte,  Gott  als  Ursache
zu  bezeichnen,  wie  z.  B.  Plotin  es  thut  (Zeller  a.  a.  0.  S.  441,  1),  der
wider  jede  Aussage  einer  Thätigkeit  von  Gott  Bedenken  trägt.
            
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