Die Theologie des Baclija ihn Pakuda.
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Gibt es nun bestimmte Kennzeichen, an denen die Kenntniss
eines Denkers von Ibn Sina mit Sicherheit zu beurtheilen wäre?
Ich will nicht davon sprechen, dass man an dem neuplatonischen
Charakter eines Systems bei Arabern und Spaniern ein Kriterium
dafür hat, dass sein Urheber kaum durch die Schule Ibn
Sinas hindurchgegangen ist, es gibt dafür noch bestimmtere
Anhaltspunkte. Solch ein Anhaltspunkt ist in der Metaphysik
die Lehre vom Nothwendig-Existirenden, in der Psychologie
die Eintheilung der Seelenkräfte.
Zwar hat auch bereits Alfarabi 1 ein doppeltes Sein unterschieden,
das des Möglichen und das des Nothwendigen und
Gott als das nothwendige Sein, die Quelle alles möglichen Seins
hingestellt, aber in ihrer Ausbildung und Entwickelung gehört
diese Lehre erst dem Ibn Sina an und in ihm ist der Ursprung
jenes Begriffes zu suchen, der nachmals in der jüdischen Religionsphilosophie
eine so mächtige Bedeutung erlangt hat. Wenn
wir nun bei Baclija diesen Begriff vermissen, 2 ja nicht einmal
den Namen: Notliwendig-Existirender bei ihm antreffen, wenn,
Güte, mich darauf aufmerksam zu machen, dass der Canon Ibn Sinas
erst zur Zeit des Abu’l Ala ibn Zohr, also gegen 1100 in Spanien bekannt
wurde (vrgl. Steinschneider in Virchow’s Archiv Bd. 57, S. 111).
Bei dem allgemeineren und lebhafteren Interesse für Philosophie unter
den Arabern ist es jedoch wohl möglich und wahrscheinlich, dass
Ibn Sinas philosophische Schriften früher nach S]3anien gelangt sein werden.
1 Dies ergibt sich aus den Fontes quaestionum bei Schmölders, Documenta
44—45. Auf die Untersuchung, ob Baclija den Alfarabi kannte, braucht
liier nicht eingegangen zu werden. Zur Frage nach dem Zeitalter
Bachja’s wäre sip auch nicht von Belang. Uebrigens werden im Verlaufe
der Darstellung Aehnlichkeiten mit Alfarabi sich heraussteilen, die
uns aber zur entschiedenen Behauptung, dass Bachja den Alfarabi gekannt
und benützt habe, durchaus noch nicht berechtigen können.
2 Für die Behauptung, Bachja habe in neuplatonischer Ueberschwenglichkeit
etwa die Bezeichnung Gottes als des Nothwendig-Existirenden verworfen,
wobei also immer noch die Möglichkeit übrig bliebe, dass Bachja Ibn
Sinas Lehre gekannt habe und sie nur nicht benützen wollte, liegt in
der Darstellung Bachjas nicht der mindeste Grund vor, da wir nicht
einmal einer Andeutung darüber bei Bachja begegnen, dass Gott über
das Sein hinaus sein müsse (vrgl. Zeller, Phil. d. Gr. III 2 , 2, S. 435, 1),
oder dass Bachja sich dagegen irgend gesträubt hätte, Gott als Ursache
zu bezeichnen, wie z. B. Plotin es thut (Zeller a. a. 0. S. 441, 1), der
wider jede Aussage einer Thätigkeit von Gott Bedenken trägt.