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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Wolf.

Ihnen  nur  mündlich  einigermassen  deutlich  machen,  ich  bin
weniger  als  irgend  jemand  geeignet  auf  äusseren  anlass  und  in
gebotener  frist  etwas  auszuarbeiten,  und  so  ist  mir  die  abfassung
  meiner  habilitationsschrift  zu  wahrer  quäl  geworden,  dazu
kam  noch  die  furcht,  da  ich  volle  sieben  jahre  kein  wort
lateinisch  gesprochen  hatte  bei  der  öffentlichen  disputation
schlecht  zu  bestehen,  so  habe  ich  monate  lang  in  trauriger
Stimmung  gelebt,  schreibend  und  wieder  zerreissend,  und  bin
so  in  eine  arge  briefschuldenlast  gerathen.  denn  wenn  auch  Sie
am  allerwenigsten  es  um  mich  verdient  haben,  dass  ich  meiner
Stimmung  nachgebend  schweige,  so  ist  es  doch  eine  kleine,
sehr  kleine  entschuldigung,  dass  ich  gegen  alle  meine
freunde  in  gleichem  unrecht  stehe.
Meine  furcht  und  angst  ist  nun  sehr  unnütz  gewesen,  denn
meine  Quaestiones  Catullianse  1  sind  leidlich  genug  gerathen  wie
Sie,  verehrtester  freund,  hoffentlich  selbst  finden  werden  (morgen ­
  nämlich  gehen  mit  der  fahrpost  exemplare  an  Sie  ah)  und
die  disputation  lief  so  gar  ganz  gut  ah.  ich  habe  dabei  recht
gesehen,  was  gesteigerte  Stimmung  thut.
Jetzt  bin  ich  hier  in  Zittau  zum  besuch  bei  meinen  altern,
kehre  aber  nach  einigen  tagen  nach  Leipzig  zurück  um  mich
auf  meine  |  gegen  das  ende  des  october  beginnenden  Vorlesungen ­
  über  die  Nibelunge  und  Catullus  vorzubereiten,  meine
altern  habe  ich  leidlich  wohl  gefunden  und  dadurch  neuen
mutli  gewonnen,  in  Leipzig  lebe  ich  in  den  allerangenehmsten
Verhältnissen.
Ihr  brief  kam  gerade  als  ich  Ihnen  schreiben  wollte,  um
endlich  Ihre  Verzeihung  meines  verstockten  Schweigens  zu  erbitten ­
  und  um  Ihnen  zum  Göttinger  doctorat  glück  zu  wünschen,
ich  habe  mich  über  diesen  längst  verdienten  beweis  ehrender ­
  anerkennung  von  ganzem  herzen  gefreut,  hoffentlich  ist
Ihnen  die  führung  dieser  würde  nicht  ebenso  untersagt  wie
die  Ihres  spanischen  Ordens,  mein  vater  fand  Ihren  namen
zuerst  in  den  Zeitungen  und  theilte  mir  die  nachricht  ganz
erfreut  mit.
Ein  heft  altdeutsche  blätter  ist  endlich  fertig  und  geht
nächster  tage  von  Leipzig  an  Sie  ab.  Ihr  aufsatz  über  die

1  Lipsice.  1837.  8°.
            
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