Briefe von Hoft'mann von Fallersleben und Moriz Haupt an Ferd.Wolf. 165
brief vom 26 mai. ich eile nun Ihnen sogleich zu antworten.
Der Erec freut mich unbeschreiblich, und dass Michel selbst
der abschrift sich unterzogen hat kann mir nur lieb sein, aber
wäre es nicht möglich ihn zu bitten bei der fortsetzung der
copie die seiten- (blätter- oder spalten-) zahlen zu bemerken?
auch für den theil der abschrift der bereits in meinen händen
ist Hesse sich dies nachholen, wenn auf einem besondern blatte
die anfangsverse der seiten bezeichnet würden, auch möchte
ich format und den etwaigen sonstigen Inhalt der hs. wissen.
ich sende Ihnen die stipulierten 120 fr[ancs] in einem
Wechsel auf sicht, verzeihen Sie nur die mühe der besorgung,
die ich Ihnen zumuthe. es versteht sich, dass der Erec Ihnen
so gut gehört als mir und dass Sie allen möglichen gebrauch
davon zu machen berechtigt sind, wollen Sie etwa den text
desselben, wenn er an Sie gelangt sich abschreiben oder abschreiben
lassen, so schreibe ich Ihnen den theil den ich nun
bereits habe mit freuden ab und Sie besitzen dann den Erec
auch auf den fall dass ich ihn nicht ediere, ediere ich ihn aber
(und ich habe dazu die gröste lust,) so rechne ich auf Ihren
beistand. sowie ich den deutschen Erec (der, soviel ich aus
dem von Michel gesendeten stücke schliessen kann, an ausfülirlichkeit
der Schilderungen und feinheit über dem französischen
steht, aber an frische und raschheit unter ihm) ohne die sichere
hoffnung auf Lachmanns revision nie herausgeben würde, so
kann mich | zu dem Wagestück einer ausgabe des französischen
gedichtes nur die gewissheit Ihrer hilfreichen freundschaft ermuthigen.
es kommt nun darauf an einen Verleger zu finden
der die 3 bis 4 hundert frjancs] zahlt, welche die abschrift der
übrigen hss. kosten würde, die von Michel gewählte scheint
zwar ausgezeichnet gut (auch in der Orthographie) aber eine
ordentliche kritische ausgabe verlangt grösseren apparat, wenn
auch die franzosen sich mit dem abdrucke einer hs. zu begnügen
pflegen, wie viel grössere Verdienste könnte sich der
treffliche, rastlos thätige und P. Paris, Jubinal u. a. gewiss an
kenntnissen übertreffende Michel erwerben, wenn er kritik nach
deutscher weise zu üben sich unterwände!
Wenn Michel in den ad. bll. lateinische Sachen (lieder,
fabeln u. dgl.) mittheilen wollte, wäre es herrlich, freilich
sitzt er so mitten in schätzen dass er auch französisches in