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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Briefe  von  Hoft’mann  von  Fallersleben  und  Moriz  Elaupt  an  Ferd.  Wolf.  1  3  1

8.
Zittau,  4.  janfuar]  1836.
Verzeihen  Sie,  mein  theuerster  freund,  mein  langes  Stillschweigen, ­
  an  dem  hindernisse  und  verdriesslichkeiten  aller
art,  leider  auch  die  Saumseligkeit  die  aus  Verstimmung  hervorzugehen ­
  pflegt,  kurz  alles  andere  eher  schuld  war  als  veränderte ­
  gesinnung  gegen  Sie.  trauen  Sie  meiner  Versicherung
dass  ich  Ihnen  mit  treuer  freundschaft  ergeben  bin  und  zweifeln
Sie  niemahls  an  der  beständigkeit  meiner  gesinnung.  fast
scheint  es  mir  als  hätten  Sie  aus  meinen  aüsserungen  über
Kuppitsch  und  den  beabsichtigten  abdruck  des  Kahlenbergers
eine  misstimmung  gegen  Sie  geschlossen,  ich  habe  mich  vielleicht ­
  ungeschickt  ausgedrückt,  kann  aber  fest  versichern,  dass
mir  kein  gedanke  gegen  Sie  in  die  seele  gekommen  ist.  Kuppitsch ­
  hatte  mich  mit  seinem  Vorsatz  (für  den  Sie  ja  gar  nichts
konnten)  verstimmt  weil  ich  des  hn  von  Meusebach  eigenthümlichkeit
  genau  kenne,  und  weiss  wie  dinge,  die  den  meisten
andern  gleichgültig  oder  erfreulich  sind,  dieses  selbstquälerische
gemüth  aufs  aüsserste  verstimmen  und  peinigen,  es  ist  unmöglich ­
  die  gemüthsart  dieses  mannes  ohne  eigene  anschauung
zu  begreifen,  und  ein  jammer,  dass  er  des  vollsten  glückes  und
reiner  Zufriedenheit  fähig,  aus  krankhafter  Verstimmung  wenig
heitere  tage  geniesst.  um  die  tiefe  und  feinheit  seines  geistes
einigermassen  kennen  zu  lernen,  lesen  Sie  doch  seine  recension
der  ,briefe  Goethes  an  ein  kind'  im  juliheft  der  hallisclien
literaturzeitung.  1  |  die  kuppitschiade  ist  durch  die  sorgliche
Weisheit  der  censurhofstelle  abgethan,  sie  sei  es  auch  unter
uns,  und  ich  hoffe,  es  glimmt  nach  meiner  ehrlichen  Versicherung ­
  kein  fiinkchen  groll  gegen  mich  in  Ihnen.
Für  unsere  blätter  schicken  Sie  ja  bald  etwas,
was  es  auch  ist,  alles  ist  willkommen;  kurz  oder  lang,  alles
findet  raum,  indem  das  dritte  heft  stärker  wird  als  die  beiden
früheren,  da  ich  nach  ostern  nach  Leipzig  gehe  und  deshalb
der  erste  band  in  der  hiesigen  druckerei  vollendet  werden
muss,  für  Ihre  bemerk[un]gen  zu  den  märchen  des  2ten  heftes,
bei  denen  ich  freilich  im  stillen  auf  den  beifall,  den  Sie  aus-1

  Nr.  115—120.  S.  289—336.

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