Briefe von Hoffmann von Fallersleben und Moriz Hanpt an Ferd. Wolf. 129
Kuppitsch scheint wo es auf befriedigung eigener wünsche ankommt
so schnell und rücksichtslos zu sein als er taubstumm
gegen fremde wünsche ist, wie ich im vorigen sonuner zur
genüge erfahren habe. |
Dass mein liederheftchen Ihnen nicht misfallen hat freut
mich sehr, bei meiner liedersammlung wird natürlich mit
grösserer und mehr philologischer genauigkeit verfahren werden.
allerdings ist es meine absicht von den liedern den text
so rein als möglich zu geben und ihn in kurzen anmerkungen
zu beglaubigen; bei jenem einzelnen bogen, einem sehr beeilten
spasse, schien mir dies pedantisch, dass in n° VI moulure
anstatt des richtigen moulture steht bemerken Sie gewiss mit
recht und ich bin Ihnen für diese bemerkung um so dankbarer,
da ich moulure für eine mundartliche form hielt, die
ich aber nicht nachweisen konnte, desto lieber ist es mir nun
durch Ihre bemerkung meinen zweifei behoben zu sehen und
es versteht sich dass ich in meinem buche moulture drucken
lasse. Dagegen kann ich Ihnen nicht einräumen dass statt
Pr ei an (im ersten liede) Paien zu setzen sei. ich will mich
bei der frage, ob da nicht wenigstens le oder un Paien
stehen müsste, nicht aufhalten; denn, um es kurz zu sagen ?
Pr ei an ist der name eines muhammedanischen Seeräubers, den
ich auch anderwärts (zufällig) gefunden habe. Der erste band
meiner Sammlung wird hoffentlich im künftigen frühjahre erscheinen
können; leider kann ich in diesem winter, da mich
andere arbeiten be- | sehäftigen, nicht daran arbeiten, auch
erwarte ich neue hilfsmittel: wenn auch nicht mehr aus München;
denn der sächsische geschäftsträger in München scheint
die Übernahme und Übersendung der dortigen franz[ösischen]
liederbücher, deren Verabfolgung mir bewilligt ist, absichtlich
zu unterlassen.
Für die abschrift der sage von Elegast aus dem dänischen
Carl Magnus sage ich Ihnen herzlich dank, ich habe
sie sogleich an Hoffmann geschickt, der den holländischen Elegast
nicht in unsern blättern, sondern als akademische schrift,
einzeln abdrueken lässt.
Das zweite lieft der blätter werden Sie hoffentlich nun
erhalten haben und ich wünsche, dass es Sie interessiert haben
möge, der druck des dritten heftes hat noch nicht begonnen;
Sitzungsber. d. pbil.-bißt. CI. LXXVII. Bd. I. Hft. 9