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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Briefe  von  Hoffmann  von  Fallersleben  tmd  Moriz  Haupt  an  Ferd.  Wolf.  107

6.
Breslau,  26.  Dec[ember  18]37.
Lieber  Freund!
So  eben  bin  ich  beschäftigt,  eine  Sammlung  alt-niederländischer ­
  Schauspiele  zum  Druck  vorzubereiten:  Horae  belgicae.
  Pars  VI.  1  Es  liegt  mir  sehr  daran  zu  erfahren,  in
welchem  Verhältnisse  selbige  zur  altfranzösischen  Literatur
stehen.  Ich  bitte  Sie  also,  mir  baldigst  zu  melden,  ob  sich  im
Altfranzfösischen]  weltliche  Spiele  vorfinden,  die  von  der  gewöhnlichen ­
  Form  der  Mysterien  abweichen:  darum  handelt  es
sich  nur.  Meine  vlaemschen  Comödien  sind  schon  Comödien  im
modernen  Sinne  und  eben  deshalb,  und  weil  sie  noch  überdies
dem  Anffange]  des  15.  Jhrh.  angehören,  gewiss  eine  Erscheinung ­
  im  Gebiete  der  Litteratur  des  Mittelalters,  die  einzig  in
ihrer  Art  ist.  |
Sie  erhalten  anbei  den  Anfang  eines  kleineren  Buches,
dessen  Vollendung  ich  auf  meiner  letzten  Reise  nicht  abwarten
konnte.  Ich  hoffe,  dass  Sie  mit  der  Ihnen  eigenen  Gründlichkeit ­
  irgendwo,  am  besten  in  den  Wiener  Jahrbüchern  darthun,
dass  dies  altfrz.  Gedicht  die  älteste  Poesie  der  Franzosen
ist 2  u.  dgl.
Grüssen  Sie  Endlicher  recht  herzlich  und  schreiben  Sie
mir  genau,  wann  Ihre  Frühlingsferien  sind: 3  ich  werde  wahrscheinlich ­
  zu  Ostern  nach  Wien  kommen.  Wenn  mich  Endlicher] ­
  zu  sich  einladet,  nehme  ich  die  Einladung  herzlich
gerne  an.
Vale  faveque
T.  T.
H.  F.
Copitario  S.  V.

'  Altniederländische  Schaubühne.  Abele  Speien  ende  Sotternien.  Breslau.
1836.  8°.
2  Gemeint  ist:  Elnonerisia.  Monument  des  langues  Romane  et  Teutonique.
Gand.  1837.  4°.  Das  altfranzösische  Gedicht  ist  das  Lied  von  der  heiligen ­
  Eulalia.
3  Zu  jener  Zeit  und  bis  in  die  zweite  Hälfte  der  Vierziger  Jahre  war  die
Hofbibliothek  zu  Ostern  durch  vierzehn  Tage  geschlossen.
            
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