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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 76. Band, (Jahrgang 1874)

Beiträge  zur  Literatur  der  deutschen  Mystiker.

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Fünfzehn  ,beswerungen'  werden  dargestellt  nach  einer
Predigt  des  h.  Bernhard  von  Clairvaux  und  endlich  im  dritten
Theile  der  geistliche  Sinn  geoffenbart.  Diese  Predigt  dürfte
ein  Stück  der  ursprünglichen  Sammlung  sein.
Zum  Schlüsse  will  ich  noch  anführen,  dass  auch  in  dem
Buche  der  Marter  sich  eine  Stelle  findet,  die  auf  die  genaue
Kunde  Wälschlands  hinweist,  welche  dem  Sammler  des  ursprünglichen ­
  Werkes  in  so  reichem  Mass  inne  gewohnt  hat.
Bei  dem  Begräbniss  Christi,  als  er  des  neuen  Grabes  gedacht
hat,  bemerkt  er  für  seine  deutschen  Leser:
(253°)  Es  waz  eyne  gewonbeit  vnder  den  Juden,  alzö  noch  ist  in  welischem
  lande,  daz  eyn  reicher  man  der  lis  seyn  grap  berichten  bey  seyme
lebenden  leibe  u.  s.  w.
5.
Als  Ergebnisse  stellen  sich  somit  heraus  die  folgenden
Sätze:
1.  Um  das  Jahr  1340  war  eine  grosse,  das  ganze  Kirchenjahr ­
  umfassende  Sammlung  von  Erklärungen  der  Evangelien
und  Episteln  veranstaltet  worden  von  einem  Laien,  wie  es
scheint,  der  Süd-Europa,  besonders  aber  Italien  genau  gekannt ­
  hat.
2.  Diese  Erklärungen  waren  wesentlich  aus  den  Werken  '
der  deutschen  Mystiker  genommen  und  zu  einem,  obzwar  verhüllten, ­
  dennoch  deutlich  erkennbaren  Ziele  überarbeitet.  Dieses
Ziel  bestand  in  nichts  Geringerem,  als  einen  vollständigen
Kampf  gegen  ,die  Pfaffen'  einzuleiten  und  durchzuführen.  Die
praktischen  und  äusserst  schneidigen  Spitzen  gegen  die  Geistlichen ­
  und  die  Kirche  sind  wohl  alle  erst  vom  Sammler  in  die
theoretischen  Sätze  der  Mystiker  verwebt  worden.
3.  Von  dieser  Sammlung  war  bis  jetzt  nur  die  Auswahl
bekannt,  die  Hermann  von  Fritzlar  von  1343  an  zusammenschreiben ­
  liess,  und  die  bis  jetzt  als  ein  Hauptpfeiler  für  die
Geschichte  der  deutschen  Mystik  gegolten  und  darum  auch
einen  breiten  Raum  in  allen  Literaturgeschichten  eingenommen
hat.  Sie  sinkt  auf  eine  ziemlich  zahme  und  magere  Chrestomathie ­
  zusammen.
4.  Die  Hs.  2845  der  k.  k.  Hofbibliothek  ist  auch  nur
eine  Auswahl  und  hur  aus  dem  Wintertheile,  sie  enthält  aber
nach  dem  Zeugniss  der  Ilermannischen  Hs.  eine  ganze
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