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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 76. Band, (Jahrgang 1874)

76

H  ;i  u  p  t.

Was  Hermann  gibt,  ist  hier  in  der  Hs.  das  Evangelium  in
der  Messe  am  Christabend.
In  der  Predigt  über  das  erste  weihnachtliche  Evangelium
findet  sich  in  der  Hs.  Folgendes:
f.  48 a .  Eyn  meister  spricht:  vnder  diser  decke  wirt  manecher  valscher
son  geborn,  zum  erersten  siut  si  schone  (1.  sone)  von  dem  blutte,  wenne  si
di  heilege  Schrift  alzu  nöen  wellen  reden  vnd  zu  sere  wellen  twyngen  zv
vorsteene  ...  Di  andern  sint  schone  (1.  sone)  von  dem  fleische  wen  si  di
heilege  schrift  zien  vnd  helfen  irre  naturen  vii  suchen  di  lere,  di  in  dis
beweren  vii  das  predigen,  vnd  flien  alle  di  dink  di  dö  swer  sint  vnd  di  irre
nätiire  wider  sint.  .  .
Wie  man  sieht  ist  diese  Stelle  auch  dem  Ausdrucke  nach
verwandt  mit  der  in  der  Predigt  über  das  dritte  Evangelium
bei  Hermann  S.  33,  Z.  33  ff.  in  der  Hs.  52&—52”.  Auf  der
letzten  Spalte  hat  einer,  der  Anstoss  genommen  hat,  sogar  zwei
Zeilen  ausgekratzt.
Eine  der  stärksten  Stellen  oder  vielmehr  eine  vollständige
Rede  gegen  die  Priester  ist  die  folgende:
f.  80.  Ir  snlt  wissen,  das  di  getrewe  löre  vnd  di  gesunde  itzunt
wynynk  ist,  wenne  di  lerer  sint  sich  das  meiste  teil.  Nu  sult  ir  merken,
das  di  natürlichen  meister  sprechen,  das  grosser  sichtum  kome  von  vberflossikeit
  der  speise  vnde  des  trankes,  vnd  hir  mite  ist  gemeinet,  das  alle
di  lerer,  di  dö  alle  iren  fleis  vnd  alle  ire  arbeit  dor  vmme  tuen,  vmme  das  sie  erkrigen
gut  vnd  werltliehe  ere,  vnd  di  sint  äne  zweifei  alle  geistlichen  vngesunt,  vnd
ire  lere  di  ist  gar  an  manechem  gar  vngesunt.  Ny  kompt  etliche  svche  dö
von,  (80 1 ’)  daz  in  dem  menschen  di  leber  vnd  di  lunge  begynnet  in  zv  fülen,
vnd  meynet  dise  lerer,  di  also  gar  vorgrobet  sein  in  iren  ynnern  creften  also  an
dem  willen  vnd  vornunft  vii  erkentenysse,  di  si  svlden  üben  in  der  wörheit.  Aber
leider  di  lerer  di  sint  nv  alle  gekärt  zu  leipliclien  dyngen,  vnd  dor  vmme  so
hassen  si  ander  menschen,  di  dö  von  der  wörheit  reden  ader  der  wörheit
leben.  Ouch  kompt  etliche  suche  von  uberiger  hitze,  vnd  meinet  di  menschen,
di  dö  leibes  gemach  mit  al  zu  grossem  fleisse  suchen  .  .  .  vnd  dor  vmme  so
ist  itzunt  gar  selzen  zu  sprechen  vnd  zu  leren  gesvnde  vnd  wörftege  (!)  lere,
wen  di  wörheit  ist  itzunt  gar  sere  gefelschet  vnd  di  wörhaftigen  lerer  di
torren  itzunt  nicht  sprechen  di  wörhaftige  lere  .  .  .
In  dieser  Weise  fährt  der  Verfasser  fort  über  die  Unterdrückung ­
  der  wahrhaftigen  Lohre  bis  f.  81 a .  Ich  übergehe  die-Stellen
  gegen  die  Reichen  und  Gewaltigen  dieser  Welt 1  f.  83 bc
und  führe  bloss  noch  eine  entscheidende  an:
1  Mit  den  weltlichen  Herren  verfährt  der  Verfasser  oder  Sammler  nicht
säuberlicher  als  mit  den  geistlichen.  Die  Stellen  dafür  Hessen  sich
häufen.  Mau  vergleiche  das  Bild,  das  er  von  den  weltlichen  Königen
entwirft,  oben  in  der  ersten  Predigt.
            
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