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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 76. Band, (Jahrgang 1874)

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H  a  u  p  t.

guter  mensclie  sal  begern  mussik  zu  sein,  sunder  man  sal  sich  stete  vben  in
vornunftigen  werken  vnd  in  heileger  vbunge  vnd  in  betrachtunge.  Aber
leider,  das  ist  alles  war,  das  kalder  vnd  grober  menschen  iczunt  mer  ist  wen
ir  y  wart,  vfi  des  enwil  ich  dach  (!)  nicht  anseen,  sunder  icli  wil  dach  (!)
eyne  collacio  haben  in  dise  adevent  von  acht 1  vrögeu:  (1)  Wy  man  sich  nv
bereiten  sal,  das  man  wirdiclichen  enphöe  di  gebort  des  ewegen  Wortes,  das
der  vater  nv  in  uns  sprechen  wil  in  der  wirdigen  sele.  (2)  Di  ander  fröge
ist,  was  gotes  gespreche  sei  in  der  sele.  (3)  Dy  dritte  vröge  ist,  ap  eyne
sele  sich  so  louterlichen  bereiten  möge,  daz  got  sein  eweges  wort  in  sei
gesprechen  möge.  (4)  Di  virde  vröge  ist,  in  welicher  stat  is  in  der  sele
ader  in  welicher  craft  is  sei,  dö  das  ewege  wort  aller  eygentlichst  geborn
werde.  (5)  Di  fünfte  fröge  ist,  wi  sich  der  geist  dor  zu  halden  möge.
(6)  Die  sechste  froge  ist,  wi  sich  der  leichnam  dor  zu  halden  sulle,  wen
das  ewege  wort  nv  gesprachen  (!)  wirt  in  den  geist.  (7)  Di  sybende  fröge
ist,  ap  key  (29 d )  ne  craft  des  leichnames  ader  der  sele  möge  besteen  in
eren  werken,  wen  das  ewege  wort  gesprachen  wirt  in  di  sele.  (8)  Di  achte
vröge  ist,  weliches  di  göben  sint  ader  di  froiden,  di  denne  der  mensche  enpheet.
(9)  Di  nvende  fröge  ist,  wo  bei  man  di  menschen  erkennen  sal,  di  dö  steen
in  dem  gotlichen  eynspreclien,  vii  in  den  das  ewege  wort  gesprachen  wirt.
Wenne  alles  das  das  man  gesprechen  mak  zu  diser  höchzeit,  Das  ist  alles
begriffen  in  disen  nven  frögen  vii  dor  vmme  so  habe  ich  si  willen  ous  zu  legen
noch  der  heilegen  glösen  vii  noch  der  lerer  ouslegunge.
Neun  Fragen  stellt  also  der  Verfasser  auf,  um  sie  in  den
Reden  über  den  biblischen  Text  in  den  vier  Wochen  des  Adventes ­
  zu  beantworten.  Am  Schlüsse  der  Predigt  zum  ersten
Adventsonntage  gibt  er  auf  die  zweite  der  neun  Fragen  die
Erklärung,  was  die  Geburt  Gottes  in  der  Seele  sei,  also:
(30 d )  Nü  neme  ich  eyne  froge  von  gotes  gebort  in  der  sele.  nv  ist  nicht  me
wen  eyn  sunderlich  beruren  dö  mite  got  di  sele  beruret  in  eyner  heymelichkeit
  vnd  in  eyner  sunderlichen  weise,  wenne  got  spricht  sein  wort  in  allen
creätüren.  aber  keyne  creätüre  mak  sein  gewar  werden  wenne  alleine  vornunftige
  creätüren,  vnd  dor  vmme  so  sal  man  des  war  nemen  in  dem  vater  also
eyn  wort',  vnd  bei  deine  vater  (?  sun)  also  eyne  wesenliche  persöne,  vnd  in  dem
beilegen  geiste  also  eyn  siezende  zil  irre  ewegen  selikeit,  vn  ist  in  der  sele
also  ein  widerblik  ires  vornunftigen  bildes  (31*)  vn  in  allen  creätüren  also
eyn  enthalden  ires  vvesens.  Der  sele  gebot  zu  gote  ist  das  si  sich  neiget
auf  got,  vnd  sporet  dem  ewegen  werte  noch  dorch  alle  creätüren  in  das
veterliehe  herze,  so  entdecket  vnd  entplöset  got  seine  gebort  der  sele,  vnd
so  denne  vellet  di  sele  mit  libe  vnd  in  bekentenysse  auf  di  gehört,  di  ir
geeyneget  ist.  alsö  treit  der  vater  sein  wort  in  di  sele  vnd  treit  di  sele  das
wort  wider  in  den  vater,  vnd  das  w T ir  des  Wortes  in  vnser  sele  gewar  werden,
des-  helfe  vns  das  ewege  wort.

1  Hier  hat  der  Schreiber  geirrt;  es  muss  heissen  ,von  niuu  vrägen 1 ,  wie
man  aus  dem  Texte  ersieht.
            
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