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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 76. Band, (Jahrgang 1874)

Ueber  dio  provenzalisclion  Liederhandsohrifteti  des  G.  AT.  Barbieri.

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zndenken,  wie  er  durch  den  tollen  Vorsatz,  seine  Geliebte
auf  die  Probe  zu  stellen,  sieb  grosser  Freude  beraubt  und
geht  nach  Javiac,  indem  er,  wol  um  seinen  Zweck  zu  verbergen, ­
  das  Gerücht  verbreiten  lässt,  er  sei  auf  einer  Pilgerfahrt ­
  begriffen.  Die  Frau  nun  besucht  ihn,  kniet  nieder,  wird
aber  wieder  schmählich  abgewiesen.  Dies  ist  nun  psychologisch
ganz  richtig.  Die  erzürnte  Frau  vermag  nicht,  als  sie  den
Geliebten  in  ihrer  Nähe  weiss,  dem  Drange  zu  widerstehen,
noch  einen  Versuch  zu  machen;  der  trotzige  Mann,  welcher
selbst  eine  Versöhnung  herbeiwünscht,  lässt  sich,  im  Augenblicke ­
  als  er  die  Flehende  zu  seinen  Füssen  sieht,  von  seinem
Uebermuthe  berücken  und  stösst  sie  fort;  der  Rückschlag  der
Gefühle  folgt  aber  auch  unmittelbar:  la  domna  sen  anet...  ab
cor  que  mais  nol  vis  nil  parles  .  .  et  el  romas  iratz  car  avia
fach  tal  folor.  Die  Rollen  sind  nunmehr  gewechselt.  —  Bei  Barbieri ­
  ist  der  Verlauf  der  Geschichte  dadurch  einfacher,  wenn
auch  vielleicht  etwas  matter,  dass  die  Sätze  über  den  ersten
Aerger  der  Frau  und  die  erste  Reue  Guillem’s  fehlen.  Die
Frau  schickt  früher  Briefe,  dann  einen  Boten,  dann  besucht
sie  den  wiedergekehrten  Guillem;  als  alle  drei  Versuche  fehlschlagen, ­
  wendet  sie  sich  von  ihm  gänzlich  ab.  Guillem  aber
bereut  die  ihr  zugefügte  Unbill  und  begibt  sich  zu  ihr,  um
Verzeihung  zu  erflehen.  Von  hier  an  gehen  wieder  beide  Erzählungen ­
  zusammen.  Die  Biographie  ist  in  H  R  enthalten.
Ob  Raynouard  bloss  R  folgte,  ob  die  Abweichung  bei  Barbieri ­
  sich  auch  in  II  findet,  kann  ich  nicht  angeben;  sehr
wahrscheinlich  ist  es,  dass  Barbieri,  der  gerne  abkürzt,  es  auch
hier  gethan  hat,  in  diesem  speciellen  Falle  zugleich  mit
der  Absicht,  die  Erzählung  weniger  künstlich  zu  gestalten.
Er  führt  seiner  Gewohnheit  nach  die  ganze  erste  Strophe  des
Liedes,  mit  welchem  Guillem  um  Verzeihung  bittet,  au:
Lo  vers  mou  merseian  ves  vos,
Dona,  no  per  tal  qu’ieu  entenda
Que  de  mi  merse  vos  prenda,
Taut  es  lo  forfaitz  cabalos,

1  Im  X.  Capitel'noch  die  kurze  Notiz:  6.  de  B.  gentil  uomu  nella  contrada
  di  Mompellier,  uomo  costumato  e  buon  trovatore.
            
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