Mussafia. Ueber die provenzalischeu Liederbandschriften des G. M. Barbieri. 201
Ueber die provenzalischen Liederhandschriften
des Giovanni Maria Barbieri.
Eine Untersuchung
Ton
Prof. Dr. Adolf Mussafia,
wirklichem Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften.
In meiner Abhandlung ,del codice Estense di rime pruvenzalh
1 hatte ich Gelegenheit des Giovanni Maria Barbieri
zu gedenken. Dessen Sohn Lodovico schilderte sein Leben;
die Schrift blieb nnedirt, 2 bildete aber die Grundlage, der
Biographie Barbieri’s, welche Tiraboschi in seiner Biblioteca
modenese I 158 veröffentlichte. Giovanni Maria wurde im
Jahre 1519 geboren; seine Eltern waren Bartolomeo, ein Advocat
im Dienste des Hauses Bangoni, und Lodovica Ballerim, 3
welche, jedenfalls italienischer Abstammung, als Wiener Bürgerin
bezeichnet wird. Er genoss eine sorgfältige Erziehung,
und brachte mehre Jahre seiner Jugend halb als Studiengenosse
halb als Correpetitor bei Mitgliedern der verschwägerten
1 Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kais. Akademie
der Wissenschaften zu Wien, LV 339 ff.
2 Eine nicht sehr correcte Abschrift des XVIII. Jahrh. findet sich auf
fol. 81—87 der Hs. 6180 der Wiener Hof-Bibliothek, welche, ebenso wie
6181, einst der Familie Rangoni gehörig, eine grosse Anzahl Modenensia
enthält. Vgl. Tabulae codieum IV 268 ff.
3 In der Wiener Hs.: .Lodovica llizini 1 , und am Rande. ,forse Bellinzini‘;
dieser Name ist dann gestrichen und die weitere Conjectur ,Rizini‘
hinzugefügt worden.