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Werne r.
besteht darin, dass er in Bezug- auf die Fragen und Probleme
der philosophischen Kosmologie und Anthropologie der traditionellen
Platonischen Anschauungsweise sich anschliesst. Er
geht indess hierin nicht so weit, dass er auch die idealistische
Grundanschauung der Platonischen Kosmologie in Betreff des
Begriffes der Materie adoptiren würde; er ist in dieser Beziehung
bereits schon viel zu sehr Empirist, und weiss sich
darum eklektisch mit Demokrit zurecht zu linden, dessen
Atomenlehre, wie wir oben sahen, seine Zustimmung für sich
hat. Da er, von der idealistischen Seite dos Platonismus sich
abwendend, vorherrschend an die rationale Seite desselben sich
hält, so erklärt es sich, dass er von überfliegenden Anticipationen
des auf dem Wege rationaler Forschung zu erreichenden
Zieles philosophischer Erkenntniss sich vollkommen frei erhält;
er geht aber noch weiter, und stellt selbst die Erreichbarkeit
dieses Zieles entschiedenst in Frage. Im Geiste Platonischer
Anschauungsweise sieht er im Erdenleibe des Menschen eine
Fessel und ein Hemmniss des geistigen Aufschwunges zu den
höchsten Dingen; 1 darum glaubt er nicht bloss auf die Erreichung
des Ideals der menschlichen Erkenntniss verzichten
zu müssen, sondern ist auch überzeugt, dass das im Leben
dieser Zeit immerhin Erreichbare nur von verhältnissmässig
Wenigen, und auch von diesen nur mit Anstrengung und
Mühe erreicht werden könne. Er erkennt darin ein in der
ersten Menschensünde begründetes Schuldgeschick der zeitlichen
Erdenmenschheit; der Erste der Menschen war, ehe er fiel, im
Vollbesitz der dem Menschen für sein Erdensein zukommenden
Weisheit.
Bei der fast ausschliesslichen Betonung des logistischrationalen
Elements der philosophischen Denkthätigkeit darf
es denn auch nicht Wunder nehmen, dass das von ihm als
besondere Seelenkraft neben ratio oder intellectus und memoria
gestellte Ingenium in seinen Angaben über die Elemente und
Coeffieienten des menschlichen Denkvermögens keine tiefer
gehende Würdigung erfährt. Indem er dieses Ingenium als
1 F.r citirt in dieser Hinsicht Weish. 0, 15, und führt wiederholt mit sichtlieber
Vorliebe den Vers Virgils Aen. VI, 730 an:
— — — Quantum non noxia corpora tardant.