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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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Werne  r.

besteht  darin,  dass  er  in  Bezug-  auf  die  Fragen  und  Probleme
der  philosophischen  Kosmologie  und  Anthropologie  der  traditionellen ­
  Platonischen  Anschauungsweise  sich  anschliesst.  Er
geht  indess  hierin  nicht  so  weit,  dass  er  auch  die  idealistische
Grundanschauung  der  Platonischen  Kosmologie  in  Betreff  des
Begriffes  der  Materie  adoptiren  würde;  er  ist  in  dieser  Beziehung ­
  bereits  schon  viel  zu  sehr  Empirist,  und  weiss  sich
darum  eklektisch  mit  Demokrit  zurecht  zu  linden,  dessen
Atomenlehre,  wie  wir  oben  sahen,  seine  Zustimmung  für  sich
hat.  Da  er,  von  der  idealistischen  Seite  dos  Platonismus  sich
abwendend,  vorherrschend  an  die  rationale  Seite  desselben  sich
hält,  so  erklärt  es  sich,  dass  er  von  überfliegenden  Anticipationen
  des  auf  dem  Wege  rationaler  Forschung  zu  erreichenden
Zieles  philosophischer  Erkenntniss  sich  vollkommen  frei  erhält;
er  geht  aber  noch  weiter,  und  stellt  selbst  die  Erreichbarkeit
dieses  Zieles  entschiedenst  in  Frage.  Im  Geiste  Platonischer
Anschauungsweise  sieht  er  im  Erdenleibe  des  Menschen  eine
Fessel  und  ein  Hemmniss  des  geistigen  Aufschwunges  zu  den
höchsten  Dingen;  1  darum  glaubt  er  nicht  bloss  auf  die  Erreichung ­
  des  Ideals  der  menschlichen  Erkenntniss  verzichten
zu  müssen,  sondern  ist  auch  überzeugt,  dass  das  im  Leben
dieser  Zeit  immerhin  Erreichbare  nur  von  verhältnissmässig
Wenigen,  und  auch  von  diesen  nur  mit  Anstrengung  und
Mühe  erreicht  werden  könne.  Er  erkennt  darin  ein  in  der
ersten  Menschensünde  begründetes  Schuldgeschick  der  zeitlichen
Erdenmenschheit;  der  Erste  der  Menschen  war,  ehe  er  fiel,  im
Vollbesitz  der  dem  Menschen  für  sein  Erdensein  zukommenden
Weisheit.
Bei  der  fast  ausschliesslichen  Betonung  des  logistischrationalen ­
  Elements  der  philosophischen  Denkthätigkeit  darf
es  denn  auch  nicht  Wunder  nehmen,  dass  das  von  ihm  als
besondere  Seelenkraft  neben  ratio  oder  intellectus  und  memoria
gestellte  Ingenium  in  seinen  Angaben  über  die  Elemente  und
Coeffieienten  des  menschlichen  Denkvermögens  keine  tiefer
gehende  Würdigung  erfährt.  Indem  er  dieses  Ingenium  als

1  F.r  citirt  in  dieser  Hinsicht  Weish.  0,  15,  und  führt  wiederholt  mit  sichtlieber
  Vorliebe  den  Vers  Virgils  Aen.  VI,  730  an:
—  —  —  Quantum  non  noxia  corpora  tardant.
            
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