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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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mittelbar  das  Leben  des  Leibes  wäre,  unter  welcher  Voraussetzung ­
  sie  ja  gär  nicht  eine  vom  Leibe  verschiedene  Wesenheit ­
  sein  könnte,  wie  doch  die  unsterbliche  Menschenseele
gewiss  ist.  Von  der  menschlichen  Seele  als  Vitalprincip  des
menschlichen  Leibes  kann  man  nur  insofern  sprechen,  als  sie
eine  das  leibliche  Gebilde  umgreifende  und  continirende  Macht
ist,  aus  deren  Bereich  herausgerückt  der  Leib  den  Grund  und
Zweck  seines  Bestandes  verliert,  den  er  zunächst  wohl  in  sich
selber,  zuhöchst  aber  in  jenem  seelischen  Principe  hat,  dem  er
als  Substrat  und  Vehikel  der  sinnlich-leiblichen  Selbstdarstellung ­
  eignet.  Ein  directer  und  unmittelbarer  Belebungseinfluss
der  Seele  auf  den  Leib  soll  damit  nicht  in  Abrede  gestellt
werden,  obwohl  er  nicht  so  weit  ausgedehnt  werden  darf,  dass
durch  ihn  das  relative  Selbstleben  des  Leibes  aufgehoben
würde;  auch  kann  er  bei  dem  factisch  bestehenden  innerlichen
Bruche  des  zeitlich-irdischen  Menschenwesens,  welcher  den  früher
oder  später  erfolgenden  zeitlichen  Leibestod  zur  unausweichlichen
Folge  hat,  nur  ein  sehr  relativer  und  bedingter  Einfluss  sein,
der  nur  zeitweilig,  unter  gewissen  Beziehungen  und  in  gewissen
einzelnen  Menschen  merkbar  hervortreten  dürfte.  Wilhelm
advertirt  nicht  auf  einen  derartigen  Einfluss,  und  entzieht  sich  der
Nothwendigkeit,  über  die  Zulässigkeit  oder  Unzulässigkeit  desselben ­
  sich  zu  äussern,  dadurch,  dass  er  die  Körperlehre  von
rein  physikalischem  Standpunkte  behandelt.  Die  von  ihm  angenommene ­
  vis  vitalis  ist  eine  rein  physikalische  Potenz,  die
zum  Wesen  eines  lebendigen  Körpers  als  solchen  gehört,  und
auch  im  menschlichen  Embryo  vorhanden  ist,  in  welchen,  wie
Wilhelm  für  wahrscheinlich  hält,  die  Seele  erst  dann,  wenn  er
vollkommen  gebildet  und  gegliedert  ist,  eintritt.  1  Dass  Wilhelm ­
  bei  einer  derartigen  Ansschauungsweise  kein  Traducianer
sein  könne,  wäre  auch  dann  vollkommen  gewiss,  wenn  er  es
nicht  ausdrücklich  versichern  würde;  er  fügt  aber  dieser  Versicherung ­
  noch  jene  andere  hinzu,  dass  er,  weil  er  nicht  Aka-1

  Wilhelm  scliliesst  dies  aus  der  in  dev  lateinischen  Uebersetzung  des
Chalcidius  von  ihm  gelesenen  Stelle  des  Platonischen  Timäus:  Apparatae
materiae  irrigno  et  fluido  corpori  eircumligabant  cireuitum  animae.  (Es
ist  nämlich  die  Rede  von  den  auf  Geheiss  des  höchsten  Gottes  den
Monschenkörper  bildenden  TTntergöttern:  ra?  Tfjs  aOavavou  'tuy-/(c  Tispiöoou?
sveSouv  6e;  ijuppuiov  aoiua  xai  cbiop^urov.  Timaeus  p.  43  A.)
            
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