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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Egyptisclie  Einwirkungen  auf  hebräische  Culte.

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dacht,  wenn  es  auch  unzweifelhaft  in  Palästina  stets  Leidende  1
an  dieser  bösartigen  Flechte  gegeben  hat.
Nun  zeigen  aber  Worte  David’s  und  Aussprüche  Jesu, 2
obwol  zeitlich  durch  ein  Jahrtausend  getrennt,  doch  gleichmässig,
  dass  die  Hebräer  in  diesem  Uebel  zwar  eine  himmlische ­
  Strafe  erkannten,  aber  doch  keine  andere  als  in  jedem
andern  menschlichen  Elend  liegt.
Aus  dieser  Auffassung  spricht  ein  vollkommener  Gegensatz ­
  zu  der  von  Manetho  berichteten  des  egyptischen  Königs
und  nach  ihrem  Grunde  auch  des  egyptischen  Volkes  —  ein
Gegensatz,  welcher  die  Verbannung  jener  Kranken  in  die
Baumaterialregion  als  eine  unentschuldbare  Grausamkeit  erscheinen ­
  lässt.
Denn  wenn  Elisa  (II.  Könige  5,  27)  seinen  Diener  mit
Aussatz  bestraft,  weil  er  den  durch  Elisa’s  Rath  von  diesem
Uebel  geheilten  Syrer  um  ein  Honorar  prellt,  so  ist  das  nur
eine  lustige  Vergeltung.  Nicht  minder  schien  wol  dem  alten
Erzähler  (Numeri  12)  eine  solche  darin  zu  liegen,  dass  Mirjam,
als  sie  Mosis  Hausfrieden  zu  stören  suchte,  aussätzig  und  daher ­
  zur  Einsamkeit  verurtheilt  wurde.  Denn  an  der  Geschichtlichkeit ­
  sowol  ihrer  üblen  Nachrede,  als  ihrer  Erkrankung ­
  und  Einsperrung  und  des  um  ihretwillen  verzögerten
Weiterzuges  des  Volkes  kann  man  nicht  zweifeln,  wenn  auch
der  Zusammenhang  und  selbst  die  chronologische  Folge  beider
Thatsachen  problematisch  bleibt.
Aber  auch  die  sämmtlichen,  so  eingehenden  Bestimmungen
über  den  Aussatz  (Levit.  13  und  14)  lassen  nicht  mit  der
geringsten  Andeutung  erkennen,  dass  man  in  demselben  eine
besondere  himmlische  Strafe  zu  sehen  habe.  Der  menschliche

ein  später  Erzähler  (II.  Chron.  26,  19)  gerechte  Strafe  angemassten  Priesterthums ­
  sieht,  das  sich  aber  an  König  Balduin  IV.  von  Jerusalem  im
zwölften  Jahrhundert  nach  Christo  wiederholt  liat.
1  Wie  arg  sie  unter  Umständen  vernachlässigt  wurden,  scheint  II.  Kön.  7,  5
zu  zeigen.
2  II.  Sam.  3,  29;  Matth.  8,  1—4;  10,  8;  11,  5.  Marc.  1,  40—45.  Lukas  5,  12  bis
16  Vgl.  Keim,  Leben  Jesu  II.  170.  Die  dort  angeführte  Zusammenstellung ­
  der  Aussätzigen  im  Talmud  mit  Blinden,  Armen  und  Kinderlosen
ist  weder  mit  ägyptischer,  noch  mit  der  bei  Herodot  (I,  138)  erwähnten
Anschauung  der  Perser  übereinstimmend,  dass  Aussatz  eine  Strafe  für
Versündigung  gegen  den  Sonnengott  (Mithra)  sei.

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