Die Kosmologie und Naturlebre des scholastischen Mittelalters.
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kosmophysischen Lehren zurückbeziehen, deren verschiedene
Gestaltung sich auch in der Lehre vomWahrnehmen des sinnlich
Erscheinenden reflectiren musste. Plato kennt keine essentia
quinta über den vier Elementarkörpern, und scheidet auch das
Feuer nicht vom Lichte ab; demzufolge ragt ihm der mikrokosmische
Mensch in dem obersten edelsten Theile seiner
Leibesgestalt unmittelbar in die himmlische Aetherregion hinein,
dem menschlichen Gehirne ist ein Lichtelement eingegeistet,
das sich in der durch den edelsten und höchsten Körpersinn
vermittelten Wahrnehmungsthätigkeit, im Sehen und Erkennen
der Welt und des sichtbaren Himmels als sinnliches Erkenntnissmedium
bethätigen muss. Das durch dieses Medium vermittelte
Sehen ist jedenfalls als ein actives Ergreifen, nicht des
stofflichen Objectes, wohl aber der mathematischen Form und
räumlichen Begrenzung desselben zu nehmen, die als solche etwas
Unstoffiiches und Gedankenhaftes ist; und Albert hat ganz Recht,
wenn er der, wie er versichert, gemeinhin geltenden Meinungfolgend,
die platonische Theorie des sinnlichen Sehens mit der
platonischen Theorie des geistigen Erkennens als einer Wiedererinnerung
der Seele an das im vorzeitlichen Sein Geschaute
im inneren Zusammenhang stehend vermuthet. Durch die
mittelst des Gesichtssinnes wahrgenommenen Körperformen der
empirischen Welt wird nach Plato in der That nur die Erinnerung
an die reinen, urbildlichen Formen erweckt, deren
unvollkommener Abdruck im Stoffe die sichtbaren Formen
sind. Daraus erhellt aber weiter, dass in der platonischen
Theorie des Sehens die Ergreifung der Körperformen die
Hauptsache, und die Apperception der Farben von untergeordnetem
Belange ist, während in der aristotelischen Erklärung
das Sichtbare als solches das mit einer bestimmten Färbung-Behaftete
ist, und daher auch die Erklärung des Sehens fast
ausschliesslich mit dem Farbenphänomen sich befasst. 1 Sofern Aristoteles
das unkörperliche Sein der Farbe in Luft und Auge
vom Sein der am Körper haftenden Farbe unterscheidet, steht
seine Erklärung des Sehvorganges iu der Mitte zwischen der von
Wilhelm als roh materialistisch bekämpften Vorstellungsweise
der Stoiker, welcher zufolge der gesehene Gegenstand unmittel-Vgl.
Aristot. An. II, 7: 'Opcrrov 8’ £oti x.pW a -