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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlebre  des  scholastischen  Mittelalters.

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kosmophysischen  Lehren  zurückbeziehen,  deren  verschiedene
Gestaltung  sich  auch  in  der  Lehre  vomWahrnehmen  des  sinnlich
Erscheinenden  reflectiren  musste.  Plato  kennt  keine  essentia
quinta  über  den  vier  Elementarkörpern,  und  scheidet  auch  das
Feuer  nicht  vom  Lichte  ab;  demzufolge  ragt  ihm  der  mikrokosmische ­
  Mensch  in  dem  obersten  edelsten  Theile  seiner
Leibesgestalt  unmittelbar  in  die  himmlische  Aetherregion  hinein,
dem  menschlichen  Gehirne  ist  ein  Lichtelement  eingegeistet,
das  sich  in  der  durch  den  edelsten  und  höchsten  Körpersinn
vermittelten  Wahrnehmungsthätigkeit,  im  Sehen  und  Erkennen
der  Welt  und  des  sichtbaren  Himmels  als  sinnliches  Erkenntnissmedium
  bethätigen  muss.  Das  durch  dieses  Medium  vermittelte ­
  Sehen  ist  jedenfalls  als  ein  actives  Ergreifen,  nicht  des
stofflichen  Objectes,  wohl  aber  der  mathematischen  Form  und
räumlichen  Begrenzung  desselben  zu  nehmen,  die  als  solche  etwas
Unstoffiiches  und  Gedankenhaftes  ist;  und  Albert  hat  ganz  Recht,
wenn  er  der,  wie  er  versichert,  gemeinhin  geltenden  Meinungfolgend,
  die  platonische  Theorie  des  sinnlichen  Sehens  mit  der
platonischen  Theorie  des  geistigen  Erkennens  als  einer  Wiedererinnerung ­
  der  Seele  an  das  im  vorzeitlichen  Sein  Geschaute
im  inneren  Zusammenhang  stehend  vermuthet.  Durch  die
mittelst  des  Gesichtssinnes  wahrgenommenen  Körperformen  der
empirischen  Welt  wird  nach  Plato  in  der  That  nur  die  Erinnerung ­
  an  die  reinen,  urbildlichen  Formen  erweckt,  deren
unvollkommener  Abdruck  im  Stoffe  die  sichtbaren  Formen
sind.  Daraus  erhellt  aber  weiter,  dass  in  der  platonischen
Theorie  des  Sehens  die  Ergreifung  der  Körperformen  die
Hauptsache,  und  die  Apperception  der  Farben  von  untergeordnetem ­
  Belange  ist,  während  in  der  aristotelischen  Erklärung
das  Sichtbare  als  solches  das  mit  einer  bestimmten  Färbung-Behaftete
  ist,  und  daher  auch  die  Erklärung  des  Sehens  fast
ausschliesslich  mit  dem  Farbenphänomen  sich  befasst. 1  Sofern  Aristoteles ­
  das  unkörperliche  Sein  der  Farbe  in  Luft  und  Auge
vom  Sein  der  am  Körper  haftenden  Farbe  unterscheidet,  steht
seine  Erklärung  des  Sehvorganges  iu  der  Mitte  zwischen  der  von
Wilhelm  als  roh  materialistisch  bekämpften  Vorstellungsweise
der  Stoiker,  welcher  zufolge  der  gesehene  Gegenstand  unmittel-Vgl.

  Aristot.  An.  II,  7:  'Opcrrov  8’  £oti  x.pW a -
            
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