Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen Mittelalters.
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im entgegengesetzten Falle würde die Sehkraft ausserhalb des
Sehorgans verlegt. Wollte man aber sagen, dass die Sehkraft
innerhalb des Sehorgans sei, und auch nicht der Sehstrahl, sondern
die Luit, durch welche er geht, vom Gegenstände der Gesichtswahrnehmung
immutirt werde, so käme man bereits der Meinung
des Aristoteles ziemlich nahe, nur dass dieser keine vom
Auge ausgehende Sehstrahlung zugibt, sondern vielmehr durch
das in der Luft befindliche und zum Auge reflectirte Licht die
Sinnesaffection dos Auges vermittelt werden lässt. Aristoteles
verwirft die Meinung der Platoniker von der feurigen Lichtnatur
des Auges, und behauptet das conträre Gegentheil davon;
nach ihm ist das Auge als Sehorgan wesentlich ein wässeriger
Körper, und insoweit es wässerig ist, auch kalt. Diese Beschaffenheit
des Auges ist gefordert zufolge der im Acte des
Sehens ihm zukommenden Functionen. Das Auge soll die
durch das Medium der Luft ihm übermittelten Licht- und
Farbeneindrücke in sich aufnehmen. Dies ist nur unter der
Bedingung möglich, dass das Auge für jene Eindrücke ebenso
empfänglich sei wie die Luft. Die Luft ist zufolge ihrer Durchsichtigkeit
befähigt, die species visibiles der sichtbaren Gegenstände
in sich aufzunehmen; also muss auch das Auge etwas
Durchsichtiges in sich schliessen. Durchsichtig sind jedoch
nur Luft und Wasser; dabei hat das Wasser die Fähigkeit,
sowohl den actus luminis, der die Farben erscheinen macht,
als auch die species visibiles der Gegenstände besser zu behalten
als die Luft, welche die species einfach durch sich hindurchgehen
lässt. Das Auge soll das durch Vermittelung der
Luft Recipirte eine kleine Weile retiniren, bis der recipirte
Eindruck von der Seele advertirt worden ist; demzufolge muss
das Auge in jenem Theile seiner selbst, in welchem es das
Bild des Gegenstandes in sich aufnehmen soll, wässeriger
Natur sein (Krystalllinse, Glasfeuchtigkeit). Luft und Auge
recipiren die sensiblen Formen der Objecte als unkörperliche
Formen (secundum esse spirituale), deren Erscheinen in Luft
und Auge durch das Licht erwirkt wird. Man hat nämlich
ein doppeltes Sein der Farben zu unterscheiden, ein esse materiale
und ein esse formale; das erstere ist das Sein der Farbe
Ergo visibile tangens nnnmtat radium, et radius tangens immutat oeulum;
et. sie radius patitur, quod absurdum est dicere. O. c. II, tr. I, qu. 21.