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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

denkschwach.  Ein  recht  kaltes  Vordergehirn  macht  den  Menschen
dumm.  Dass  die  verschiedenen  Vermögen  in  der  bezeichneten
Weise  an  die  drei  Kammern  vertheilt  sind,  ergibt  sich  aus
Beobachtungen  an  Personen,  die  durch  Verwundungen  an  einer
der  drei  Gehirnkammern  geschädiget  worden  sind.  Wilhelm
führt  Beispiele  hievon  aus  Galenus  und  aus  Solin’s  Polyhistor ­
  an.
Das  Haupt  ist  Sitz  und  Centrum  der  Thätigkeiten  der
virtus  animalis,  die  nach  Wilhelm  von  Conches  eine  Fünfzahl
von  virtutes  in  sich  fasst:  Intellegentia,  ratio,  memoria,  sensus
communis,  voluntarius  motus.  Wir  wissen  bereits,  wie  das
Gehirn  mit  Rücksicht  auf  die  Functionen  der  ersten  drei  virtutes
organisirt  sei,  und  dass  die  Thätigkeitsvehikel  der  beiden
anderen  virtutes,  die  Sinnes-  und  Bewegungsnerven,  gleichfalls
vom  Gehirne  auslaufen.  Die  Organe  der  einzelnen  Sinne  sind
so  geordnet,  dass  der  weitreichendste  Sinn  die  obere  Stelle
einnimmt,  der  an  die  unmittelbare  Berührung  des  wahrzunehmenden ­
  Objectes  gewiesene  Tastsinn  aber  sein  specrfisches
Organ  nicht  einmal  mehr,  wie  die  übrigen  vier  Sinne,  im
Haupte,  sondern  in  den  Händen,  also  im  Rumpfleibe  seinen
Sitz  hat.  Eine  unmittelbare  Berührung  des  Objectes  hat  wohl
auch  in  den  Apperceptionen  des  unter  den  Kopfsinnen  zu  tiefst
locirten  Sinnes,  des  Geschmacksinnes,  statt;  der  Geschmackssinn ­
  steht  aber  insofern  über  dem  Tastsinne,  als  es  sich  bei
letzterem  nur  um  die  Wahrnehmungen  von  Qualitäten  des
Körpers  als  Körper  (Wärme,  Kälte,  Rauheit,  Glätte  u.  s.  w.)
handelt,  beim  Geschmackssinne  aber  eine  specifische  Qualität
eines  bestimmten  Körpers,  die  durch  das  blosse  Tastgefühl
nicht  appercipirt  werden  kann.  Der  Geschmack,  den  die
Zunge  wahrnimmt,  ist  nämlich  eine  besondere  Qualität,  die
zusammt  einem  bestimmten  Safte  beim  Kosten  und  Zerkauen
der  Speisen  die  schwammige  Zunge  durchdringt.  Der  Nerv
ist  das  Vehikel  der  Leitung  der  Sinnes  Wahrnehmung  vom
Sinnesorgan  zum  Gehirne;  dasjenige,  worin  der  appercipirte
Sinneseindruck  recipirt  und  mittelst  des  Nerves  ins  Gehirn
geleitet  wird,  ist  eine  feinste  luftartige  Substanz,  die  aus
Anlass  der  Sinnesaffection  vom  Gehirne  emittirt  wird,  um
die  bestimmte  sinnliche  Impression  in  sich  aufzunehmen  und
            
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