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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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geleitet  wird.  Das  ad  sima  hepatis  Gelangte  wird  durch  die
Wärme  der  Leber  verkocht:  das  Warmtrockene  des  Verkochten
wird  zur  Gallenblase  transmittirt,  um  daselbst  in  cholera  rubea
überzugehen;  ein  Theil  aber  geht  zur  Stärkung  der  vis  expulsiva
  in  die  Intestina.  Das  Kalttrockene  wird  zur  Milz
transmittirt  und  geht  in  schwarze  Galle  (melancholia)  über;
ein  Theil  davon  aber,  welcher  die  vis  appetitiva  und  retentiva
stärken  soll,  wird  in  den  Magen  verwiesen.  Der  kaltfeuchte
Theil  des  Verkochten  fällt  der  Lunge,  dem  Sitze  des  Phlegma
zu,  und  wird  daselbst  in  Phlegma  verwandelt;  was  aber  vom
Kaltfeuchten  zur  Strärkung  der  expulsiva  dienlich  ist,  tritt  in
den  Magen  über.  Der  warmfeuchte  Theil  des  Verkochten
bleibt  an  der  Stätte  der  Verkochung,  und  wird  in  der  Farbe
der  Leber  in  Blut  verwandelt.  Dies  ist  also  der  Process  der
zweiten  Verkochung,  durch  welchen  die  quatuor  humores  erzeugt ­
  werden.  Jeder  dieser  humores  hat  seinen  gesonderten
specifischen  Sitz  an  jener  Stätte,  an  welcher  er  erzeugt  wird.
Nach  der  Meinung  Einiger  hat  das  Phlegma  keinen  besonderen
eigenen  Sitz,  sondern  wird  von  der  Natur  zu  dem  Ende  zurückgehalten, ­
  auf  dass  mit  seiner  Hilfe  das  Blut  leichter  durch  die
Venen  und  Arterien  circulire  und  aus  dem  Phlegma  sich  erneuere. ­
  Was  in  der  ursprünglichen  Fusion  der  quatuor  humores ­
  als  Ueberschuss  bleibt,  geht  durch  die  der  Spina  anliegende
Vene  zu  den  Nieren  herab,  und  was  diese  davon  für  sich  nicht
brauchen,  geht  als  Superfluität  der  zweiten  Concoction  in  der
Form  des  Urins  ab.
Wachsthum  und  Mehrung  des  Körpers  wird  durch  das
Calidum  und  Humidum  bewirkt;  die  Wärme  macht  den  Körper
in  die  Höhe  streben,  durch  den  Einfluss  des  Humidum  geht
er  in  die  Breite  und  Dicke.  Das  Calidum  und  Humidum  ist
in  allen  Menschen,  aber  nicht  in  gleichem  Masse  vorhanden.
Die  rechte  Temperirung  der  vier  Elementarqualitäten  war  in
Adam  vor  der  Sünde;  sie  ging  nach  seiner  Vertreibung  aus
dem  Paradiese  unter  den  Nöthen  des  irdischen  Arbeitslebens
verloren.  Das  Humidum  und  Calidum  verringerten  sich  in
den  Nöthen  körperlicher  Anstrengungen  und  Entbehrungen,  ingleichen ­
  durch  den  Einfluss  der  Temperatur  und  der  Nahrung.
Es  gibt  also  keine  absolute  Gesundheit  mehr  unter  den  Menschen. ­
  Die  sogenannten  vier  Temperamente  bedeuten  eben  so
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXV.  lid.  III.  Hft.  25
            
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