Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen Mittelalters.
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menschlichen Körpers, deren Gebrauch und Nutzen. Ger Mensch
entsteht aus dem Samen, der unter Einwirkung. der Wärme
die rechte Flüssigkeit erlangt, um sich ablösen und in den
mütterlichen Körper übergehen zu können. Die rechte Disposition
des Manneskörpers zum Zeugen ist also die warmfeuchte
; das Weib ist durch seine kaltfeuchte Complexion 1
zur Aufnahme des vom Manneskörper ausgeworfenen Samens
qualificirt. Die angemessene Jahreszeit zum Zeugen ist der
Winter oder Frühling; der Sommer ist ungeeignet, weil er
den Körper austrocknet und die natürliche Wärme desselben
verzehrt, das Gleiche gilt vom Herbste. Der Zeugungsame
ist aus der Substanz aller Glieder des zeugenden Körpers gezogen;
Beweis dessen ist, dass Podagra und Chiragra durch
Zeugung sich vererben. Der an der rechten Seite der matrix 2
sich bildende Fötus, der durch die Nähe der Leber erwärmt
wird, bildet sich zum männlichen, der auf der kalten Linkseite
gelegene zu einem weiblichen Organismus aus. In den
zwei mittleren Zwischenlagen, deren eine an die rechte, die
andere an die linke Seite grenzt, entstehen weibische Männer
und männische Weiber.
Die in der Ausbildung der Fötus successive hervortretenden
Kräfte sind die vis concoctiva, informativa, assimilativa,
concavativa, pascitiva. Die Matrix bildet zuerst einen Follikel,
der den Fötus einschliesst. Am siebenten Tage erscheinen
Blutstropfen an der Oberfläche des Follikels, 3 in der dritten
Woche senken sie sich zum humor conceptionis hinab; in der
1 Von dieser kaltfeuchten Complexion des Weibes ist bei Macrobius Saturn.
VII, 7 die Rede; aus derselben werden ebendaselbst die Menstruen der
Weiber erklärt. In ähnlicher Weise heisst es bei Wilhelm (Subst. phys.
VI, p. 244): Cum mulier naturaliter frigida sit, perfecte cibuin decoquere
non potest, remanentque superfluitates quaedain, quas natura per singulos
menses expellit, unde nominantur menstrua. Sed facta conceptione calor
ex foetu augetur etc.
2 Matrix habet septem cellulas - heisst es Subst. phys. VI, p. 241 —
humana figura ad modum monetae impressas; inde est quod septem, non
plures mulier. uno lecto potest parere.
3 Wilhelm führt als Gewährsmann für diese Thatsache in seiner grösseren
Schrift Straton, in den Element.is philosophiae aber Macrobius an, aus
welchem er (vgl. Macrob. Somn. Scib. I, 6) eben Stratons Angabe kennen
lernte.