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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scliolastichen  Mittelalters.

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zerfällt  in  drei  Hauptheile:  Asien,  Afrika  und  Europa.  Asien
erstreckt  sich  vom  Orient  bis  an  den  Tanais  und  Nil,  durch
welche  Flüsse  es  im  Westen  gegen  Europa  und  Afrika  abgegrenzt ­
  wird,  und  stösst  im  Süden  an  die  zona  torrida  wie  in
der  entgegengesetzten  Richtung  an  den  kalten  Norden;  es
nimmt  die  Hälfte  des  bewohnbaren  Landes  unserer  Quarta
ein.  1  Afrika  hat  im  Osten  den  Nil,  im  Norden  das  Mittelmeer, ­
  im  Osten  die  Oceanströmung,  im  Süden  die  zona  torrida
zui -  Grenze;  Europa  ist  im  Süden  vom  Mittel-,  in  entgegengesetzter ­
  Richtung  vom  Nordmeere,  im  Westen  vom  Ocean
begrenzt,  im  Osten  hat  es  den  Tanais  zur  Grenzschoide.  Diese
drei  Tlieile  der  von  Menschen  bevölkerten  Quarta  constituiren
den  Bereich  der  temperirten  Mitte  derselben,  die  jedoch  an
ihren  Enden  rings  von  Ueberschreitungen  des  temperirten  Mittels ­
  umsäumt  ist.  Unsere  Quarta  ist  nämlich  an  ihrem  Südrande
  (Libyen,  Aethiopien)  warmtrocken,  in  ihrem  Nordrande
feuchtkalt;  an  ihrem  Ostrande  hat  sie  warmfeuchtes,  an  ihrem
Westrande  kalttrockenes  Klima.  Sie  ist  von  Bergen  durchzogen, ­
  deren  höchste  Kuppen  und  Gipfel  mit  Schnee  bedeckt
sind.  Grund  dessen  ist,  dass  die  Luft,  je  höher  hinauf,  desto
dünner  ist  und  daher  der  Sonnenwärme  keine  Einwirkung
gestattet;  denn  Feuer  kann  nur  in  einem  dichten  und  feuchten
Medium  entzündet  werden.  Falsch  ist  die  Ansicht  derjenigen,
welche  die  Kälte  der  Gebirgshöhen  von  dem  Nordwinde  ableiten, ­
  denn  die  hohen  Berge  sind  nicht  bloss  auf  ihrer  Nordseite, ­
  sondern  auch  auf  ihren  Südseiten  kalt.  Es  ist  indess
zuzugeben,  dass  ihre  Nordseite  kälter  ist,  wie  denn  überhaupt
der  Einfluss  der  Winde  auf  das  Klima  der  verschiedenen  Länder ­
  nicht  in  Abrede  zu  stellen  ist.  So  sind  Länder,  die  auf  drei
Seiten  von  Bergen  umschlossen,  gegen  Süden  aber  offen  sind,

1  Diese  Aeusserung,  welche  sich  auch  bei  Isidor  Nat.  Kor.  c.  48  findet,
ist  zurückzuführen  auf  Aug.  Civ.  Dei  XVI,  17  :  Namque  ista,  quae  Asia
nuneupatur,  a  meridie  per  Orienten!  usque  ad  septentrionem  pervenit,
Europa  vero  a  septentrione  usque  ad  occidentem,  atque  inde  Africa  ab  occidente
  usque  ad  meridiem;  unde  videntur  orbem  dimidium  duae  tenere
Europa  et  Africa,  alium  vero  dimidium  soia  Asia.  Sed  ideo  duae  partes
factae  sunt,  quia  inter  utramque  ab  Oceano  ingreditur  quidquid  aquarum
terras  interluit,  et  hoc  mare  magnum  nobis  facit.  East  dasselbe  ist
im  Schlusscapitel  der  Schrift  Beda’s  de  natura  rerum  (c.  öl)  zu  lesen.
            
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