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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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gewicht  lullten  sollte,  um  Dürre  zu  verhüten;  umgekehrt  brechen
unterirdische  Flüsse  plötzlich  hervor  und  verursachen  Ueberschwemmungen.
  Einige  glauben,  dass  Dürre  und  Uebersohwemmuug
  durch  den  Planetenstand  bedingt  seien.  1  Trifft  es  sich,
dass  alle  Planeten  zugleich  hoch  stehen,  so  verzehren  sie  wenig
von  der  Feuchtigkeit  der  Erdsphäre;  während  umgekehrt  ein
niedriger  Stand  der  Planeten  das  Gegentheil  zur  Folge  hat.
Stehen  die  Planeten  in  ungleichen  Abständen  von  der  Erde,
so  ermässigen  sich  wechselseitig  ihre  Einwirkungen  auf“  die
Erdsphäre,  so  dass  weder  Dürre  noch  Ueberschwemmung  Platz
greifen  kann.  Man  hat  zwischen  allgemeinem  und  örtlichem
Diluvium  zu  unterscheiden.  Oertliche  oder  particuläre  Diluvien
kann  es  viele  geben,  wie  auch  Plato  unter  Augustins  Zustim
mung 2  deren  viele  annahm;  das  allgemeine  Diluvium  kann
nur  Eines  sein.
Das  letzte  und  unterste  der  vier  Elemente  ist  nach  alterthümliehcr
  und  mittelalterlicher  Anschauung  die  Erde.  Diese
ist  nach  Wilhelm  von  Conches 3  kein  flacher,  sondern  ein  runder
Körper.  Sie  kann  kein  flacher  Körper  sein,  weil  sonst  auf
der  ganzen  Erde  im  fernsten  Osten  und  äussersten  Westen
die  verschiedenen  Tageszeiten  genau  zu  derselben  Zeit  statt-1

  Diese  Erörterungen  über  die  Ursachen  der  Ueberschwemmuugeii  scheinen
nicht  ausser  Beziehung  zu  Seneca  Quaestt.  Nat.  III,  2(5  zu  stehen,  was  um
so  wahrscheinlicher  wird,  wenn  unmittelbar  darauf,  wie  Seneca,  so  auch
Wilhelm  vom  Diluvium  spricht.
Augustinus  spricht  Civ.  Dei  XVIII,  c.  8  u,  10  von  der  Ogygischen  und
Deukalionischen  Fluth  als  particulären  Diluvien.  Mit  Beziehung  hierauf
zählt  Hrabanus  Maurus  De  llniv.  XI,  21  folgende  Diluvien  auf:  Primum
diluvium  exstitit  sub  Noe  .  .  .  cujus  indicum  hactenus  videmus  in  lapidibus,
  quos  in  reinotis  montibus,  concliis  et  ostreis  concretos,  saepe  etiam
cavatos  aquis  videre  solemus.  Secundum  diluvium  fuit  in  Achaja  Jacob
Patriarchae  et  Ogygi  temporibus,  qui  Eleusinae  conditor  et  rex  fuit,
nomenque  loco  et  tempori  dedit.  Tertium  diluvium  in  Thessalia  Moysi
vel  Amphyctionis  temporibus  fuit,  qui  tertius  post  Cecropem  regnavit.
Cujus  temporibus  aquarum  illuvies  majorem  partem  populorum  Thessaliae
absumsit,  paucis  per  refugia  montium  liberatis,  maxime  in  monte  Parnassio,
  in  cujus  circuitu  Deucalion  tune  regno  potiebatur,  qui  tune  ratibns
ad  se  confugientes  susceptos  per  gemina  Parnassi  juga  fovit  et  aluit.  A
quo  propterea  genus  hominum  Greacorum  fabulae  ex  lapidibus  jn’aeparatum
  ferunt  propter  hominum  insitam  cordis  duritiam.
3  Subst.  pliys.  Lib.  VI;  Elem.  phil.  IV.
            
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