Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen Mittelalters.
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gewicht lullten sollte, um Dürre zu verhüten; umgekehrt brechen
unterirdische Flüsse plötzlich hervor und verursachen Ueberschwemmungen.
Einige glauben, dass Dürre und Uebersohwemmuug
durch den Planetenstand bedingt seien. 1 Trifft es sich,
dass alle Planeten zugleich hoch stehen, so verzehren sie wenig
von der Feuchtigkeit der Erdsphäre; während umgekehrt ein
niedriger Stand der Planeten das Gegentheil zur Folge hat.
Stehen die Planeten in ungleichen Abständen von der Erde,
so ermässigen sich wechselseitig ihre Einwirkungen auf“ die
Erdsphäre, so dass weder Dürre noch Ueberschwemmung Platz
greifen kann. Man hat zwischen allgemeinem und örtlichem
Diluvium zu unterscheiden. Oertliche oder particuläre Diluvien
kann es viele geben, wie auch Plato unter Augustins Zustim
mung 2 deren viele annahm; das allgemeine Diluvium kann
nur Eines sein.
Das letzte und unterste der vier Elemente ist nach alterthümliehcr
und mittelalterlicher Anschauung die Erde. Diese
ist nach Wilhelm von Conches 3 kein flacher, sondern ein runder
Körper. Sie kann kein flacher Körper sein, weil sonst auf
der ganzen Erde im fernsten Osten und äussersten Westen
die verschiedenen Tageszeiten genau zu derselben Zeit statt-1
Diese Erörterungen über die Ursachen der Ueberschwemmuugeii scheinen
nicht ausser Beziehung zu Seneca Quaestt. Nat. III, 2(5 zu stehen, was um
so wahrscheinlicher wird, wenn unmittelbar darauf, wie Seneca, so auch
Wilhelm vom Diluvium spricht.
Augustinus spricht Civ. Dei XVIII, c. 8 u, 10 von der Ogygischen und
Deukalionischen Fluth als particulären Diluvien. Mit Beziehung hierauf
zählt Hrabanus Maurus De llniv. XI, 21 folgende Diluvien auf: Primum
diluvium exstitit sub Noe . . . cujus indicum hactenus videmus in lapidibus,
quos in reinotis montibus, concliis et ostreis concretos, saepe etiam
cavatos aquis videre solemus. Secundum diluvium fuit in Achaja Jacob
Patriarchae et Ogygi temporibus, qui Eleusinae conditor et rex fuit,
nomenque loco et tempori dedit. Tertium diluvium in Thessalia Moysi
vel Amphyctionis temporibus fuit, qui tertius post Cecropem regnavit.
Cujus temporibus aquarum illuvies majorem partem populorum Thessaliae
absumsit, paucis per refugia montium liberatis, maxime in monte Parnassio,
in cujus circuitu Deucalion tune regno potiebatur, qui tune ratibns
ad se confugientes susceptos per gemina Parnassi juga fovit et aluit. A
quo propterea genus hominum Greacorum fabulae ex lapidibus jn’aeparatum
ferunt propter hominum insitam cordis duritiam.
3 Subst. pliys. Lib. VI; Elem. phil. IV.