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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlelire  des  scholastischen  Mittelalters.

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scheidet,  kein  Festland  sich  befinde,  und  der  Continent  der
alten  Welt  den  Erdball  zu  mehr  als  drei  Vierteltheilen  der
Länge  nach  umspanne,  so  lässt  sich  an  Wilhelm  von  Conchcs
rühmen,  dass  er  in  derartigen  Irrthümern  nicht  befangen,  und
vom  Vorhandensein  eines,  oder  vielmehr  zweier  Cont.inente  auf
der  damals  noch  nicht  gekannten  anderen  Erdhemisphäre  überzeugt ­
  war.  Wir  haben  schon  oben  seine  Ansicht  von  dem
äquatorialen  Centralmeere  angeführt,  von  welchem  am  Ostund
  Westendo  unserer  Hemisphäre  je  zwei  Strömungen  gegen
den  Nord-  und  Südpol  der  Erdkugel  ausgehen,  und  einen  Nordund
  Südcontinent  der  östlichen  Erdhälfte  umspannen.  Eine  ähnliche
Festlandtheilung  nimmt  Wilhelm,  da  das  Aequatorialmeer  die
ganze  Erdkugel  umspanne,  auch  für  die  andere  uns  entgegengesetzte ­
  Hemisphäre  an,  so  dass  also  der  von  uns  gekannte
und  bewohnte  Continent  nur  einen  Vierttheil  des  gesammten
Festlandes  der  Erdkugel  ausmacht.  Wilhelm  hat  übrigens
diesen  Gedanken  nicht  aus  sich,  sondern  aus  Macrobius  1  geschöpft. ­
  Es  begreift  sich,  wie  dieser,  da  er  den  durch  die
Doppelströmung  gegen  Nord  und  Süd  gebildeten  Ocean  für
einen  blossen  Erdgürtel  hält,  nebenhergehend  auch  gegen  die
Vorstellung  von  der  angeblichen  Grösse  jenes  mare  magnum
polemisirt.  In  diesem  Punkte  trifft  er  sonach  mit  Aristoteles
zusammen,  auf  dessen  Autorität  sich  Albert  stützte,  wenn  er
annahm,  dass  die  Westküste  Europa’s  und  Afrika’s  ziemlich
nahe  an  die  Ostküste  Asiens  gerückt  sei;  Albert  wiederholt
das  von  Aristoteles  angeführte  Argument,  dass  sowohl  in
Ostasien  als  auch  an  der  Westküste  Afrika’s  Elephanten  Vorkommen, ­
  was  auf  eine  gemeinsame  Sonnennähe  und  räumliche
Nachbarschaft  beider  Erdstriche  hinweise. 2
Albert  ergeht  sich,  mit  vorzugsweiser  Beziehung  auf  das
dritte  Buch  der  Quaestiones  Naturales  Sencca’s,  in  umständlichen ­
  Erörterungen  über  die  Entstehungsursachen,  sowie  über
Beschaffenheiten  und  Eigenschaften  der  Quellen  und  Wasser
des  Festlandes,  über  temporäre  Intermittirungen  oder  gänzliches

1  Vgl.  Maorob.  Somu.  Scip.  II,  9.
2  Quia  —  fügt  Albert  1.  c.  bei  —  aequalis  vicinitas  horizontis  ad  solem
causat  in  eis  generationes  animaliuin  eorundem  in  specie.
            
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