Die Kosmologie und Naturlelire des scholastischen Mittelalters.
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scheidet, kein Festland sich befinde, und der Continent der
alten Welt den Erdball zu mehr als drei Vierteltheilen der
Länge nach umspanne, so lässt sich an Wilhelm von Conchcs
rühmen, dass er in derartigen Irrthümern nicht befangen, und
vom Vorhandensein eines, oder vielmehr zweier Cont.inente auf
der damals noch nicht gekannten anderen Erdhemisphäre überzeugt
war. Wir haben schon oben seine Ansicht von dem
äquatorialen Centralmeere angeführt, von welchem am Ostund
Westendo unserer Hemisphäre je zwei Strömungen gegen
den Nord- und Südpol der Erdkugel ausgehen, und einen Nordund
Südcontinent der östlichen Erdhälfte umspannen. Eine ähnliche
Festlandtheilung nimmt Wilhelm, da das Aequatorialmeer die
ganze Erdkugel umspanne, auch für die andere uns entgegengesetzte
Hemisphäre an, so dass also der von uns gekannte
und bewohnte Continent nur einen Vierttheil des gesammten
Festlandes der Erdkugel ausmacht. Wilhelm hat übrigens
diesen Gedanken nicht aus sich, sondern aus Macrobius 1 geschöpft.
Es begreift sich, wie dieser, da er den durch die
Doppelströmung gegen Nord und Süd gebildeten Ocean für
einen blossen Erdgürtel hält, nebenhergehend auch gegen die
Vorstellung von der angeblichen Grösse jenes mare magnum
polemisirt. In diesem Punkte trifft er sonach mit Aristoteles
zusammen, auf dessen Autorität sich Albert stützte, wenn er
annahm, dass die Westküste Europa’s und Afrika’s ziemlich
nahe an die Ostküste Asiens gerückt sei; Albert wiederholt
das von Aristoteles angeführte Argument, dass sowohl in
Ostasien als auch an der Westküste Afrika’s Elephanten Vorkommen,
was auf eine gemeinsame Sonnennähe und räumliche
Nachbarschaft beider Erdstriche hinweise. 2
Albert ergeht sich, mit vorzugsweiser Beziehung auf das
dritte Buch der Quaestiones Naturales Sencca’s, in umständlichen
Erörterungen über die Entstehungsursachen, sowie über
Beschaffenheiten und Eigenschaften der Quellen und Wasser
des Festlandes, über temporäre Intermittirungen oder gänzliches
1 Vgl. Maorob. Somu. Scip. II, 9.
2 Quia — fügt Albert 1. c. bei — aequalis vicinitas horizontis ad solem
causat in eis generationes animaliuin eorundem in specie.