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Werner.
Diese Erklärung- weicht nun, wie von selbst in die Augen
springt, von jener Wilhelms durchgreifend ab; in einem Punkte
stimmen jedoch Beide zusammen, darin nämlich, dass sie das
Meer als Quell aller Wasser des Erdkörpers ansehen. Vom
Ocean (mare Amphitrites), der das gesammte Festland der Erde
umfängt, gehen nach Albert nicht nur die sogenannten Mittelmeere
(maria mediterranea) aus, deren es laut der unter Julius
Cäsar abgefassten Kosmographie dreissig gebe, 1 sondern auch
die Flüsse und Quellen des Festlandes. Ferner erklärt Albert
das Süsswerden der letztlich aus dem Meere urspringenden
Q,uellen und Flüsse ebenso wie Wilhelm aus der Filtrirung des
durch den Erdkörper hindurchgeseihten Meerwassers; nur sieht
er hierin nicht die einzige Ursache des Süsswerdens, sondern
nimmt beim Regenwasser, das aus den Wolken herabfällt,
die Sonnenwärme, die das Leichtere und Feinere vom Wasser
in die Luft zieht — bei den aus der Erde hervorbrechenden
Quellen aber eine unterirdische Wärme, die das Wasser emporhebt,
als Ursache der Süssigkeit an.
Man hat an Albert dem Grossen gerühmt, dass er, indem
er der Erste die Ansicht ausprach, 2 es möge der äusserste
Westen Europa’s durch ein nicht allzu breites Meer vom äusoersten
Osten Asiens geschieden sein, den Gedanken an jenes
Unternehmen, welches ein paar Jahrhunderte später Christoph
Columbus ausführte, miterwecken half; denn das Vertrauen
auf die Möglichkeit, durch eine Fahrt im atlantischen Meere
von Spanien aus den Ostsaum Asiens erreichen zu können,
habe den Entdecker Amerikas zu seiner ersten Weltmeerfahrt
ermuthigt. Lag nun der Zuversicht und Entschlossenheit, mit
welcher Colombus an die Ausführung seines Unternehmens
ging, die irrige Annahme zu Grunde, dass in dem Ocean,
welcher den Ostsaum Asiens von der Westküste Europa’s
modum mensurae suae, tune non fit vapor ille sal sed quasi cinis; et
tune erit in aquis sapor amarissimus. Meteor. II, tr. 3, c. 15.
1 Diese Notiz ist aus der Kosmographie des Aethicus Ister geschöpft,
welche nach Vorausschickung eines einleitenden Berichtes über die von
Julius Cäsar angeordnete Vermessung und Beschreibung des Römischen
Weltreiches mit den Worten beginnt: Omnis terrae orbis habet maria
triginta.
2 Coel. et Mund. II, tr. 4, c. 11.