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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Natuvlehre  des  scliolastischon  Mittelalters.

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keit  zu  mindern;  sobald  einmal  die  Hälfte  seiner  Scheibe
beleuchtet  ist,  fängt  er  sogar  an,  Wärme  zu  strahlen,  wodurch, ­
  wie  durch  die  Erwärmung  eines  Wassers  im  Topfe,
abermals  eine  Hebung  des  Meeres  bewirkt  wird.  Wie  aber
der  Mond  dem  letzten  Viertel  sich  zuneigt,  sinkt  die  Vollmondsfluth,
  und  tritt  Ebbe  ein,  die  erst  mit  dem  Heranrücken
eines  abermaligen  Neumondes  wieder  in  Hochfluth  übergeht.
Diese  letztere  Auseinandersetztung  gibt  sich  als  eine  aus  den
selbsteigenen  physikalischen  Principien  Wilhelms  geschöpfte
Erklärung  einer  Thatsache,  für  welche  Makrobius  als  Gewährsmann ­
  angeführt  wird;  1  aber  auch  seine  Ableitung  des  Phänomens ­
  der  täglich  wiederkehrenden  Fluth  und  Ebbe  ist  aus
Makrobius 2  entlehnt,  und  verräth  ihre  Quelle  durch  eine  mitunter ­
  wortgetreue  Uebereinstimmung  mit  dem  Texte  des  benützten ­
  Autors.  Es  ist  von  Interesse,  die  von  Wilhelm  gegebenen
Erklärungen  mit  jenen  seiner  Vormänner  Isidor  und  Beda  zu
vergleichen.  Isidor,  der  aus  Solinus,  Ambrosius  und  anderen
Quellen  verschiedene  Meinungen  der  Alten  über  die  Ursachen
der  Fluth  und  Ebbe  anführt,  3  verzichtet  auf  die  Möglichkeit
einer  Erklärung  derselben; 4  Gott  allein  wisse,  ob  sie  durch
submarine  Windgeister  aus  dem  Erdinnern,  also  gleichsam
durch  eine  Athmungsbewegung  dos  Erdkörpers, 5  oder  durch
den  Einfluss  des  Mondes,oder  durch  eine  Anziehung  von
1  Maerobius  dicit,  in  septem  primis  diebus  lunationis  fiuctus  oeeani  decrescere,
  in  aliis  septem  erescere,  in  septimana  tert.ia  decrescere,  in
quarta  erescere.  Mit  diesen  Worten  ist  auf  Macrob.  Somn.  Scip.  I,  c.  0
hingewiesen.
2  Vgl.  Macrob.  Somn.  Scip.  II,  c.  9.
•’  Rer.  Nat.,  c.  40.
4  Noch  ein  Geograph  des  17.  Jahrhunderts  (Riccioli)  erklärte  dieses  Problem
für  ein  sepulchrum  humanae  curiositatis.  Vgl.  Peschei,  Gesell,  d.  Erdkunde ­
  S.  391.
5  Isidor  citirt  diese  Ansicht  aus  Solinus  Polyh.  XXIH,  21:  Sicut  in  corporibus
  nostris  commercia  sunt  spiritualia,  ita  in  profundis  oeeani  nares
quasdam  mundi  constitutas,  per  quas  emissi  anhelitus  vel  reducti  modo
inflent  maria  modo  rovocent.  (Man  vgl.  liiemit,  Seneca  Q.  N.  II,  1;
III,  15.  Plutarch  PI.  ph.  IV,  22.)
0  Quidam  pliilosophorum  volunt,  ait,  Ambrosius,  cum  augmento  lunari
erescere  oc.eanuin  et  tanquam  ejus  quibusdam  spirationibus  retrorsum
trähatur  et  iterum  ejusdem  impnlsu  ac  retractu  in  mensuram  propriam
refundatur.  R.  N.,  c.  40.
            
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