Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Werner.

366
sichten,  auf  welche  wir  hier  nicht  weiter  eingehen,  auch  jene
Soneca’s,  der  die  Kometen  für  siderische  Phänomene  von  nicht
näher  bestimmbarer  Natur  halte;  eine  blosse  Lufterscheinung
könne,  bemerkt  Seneca,  der  Komet  nicht  sein,  da  er  viel
länger  andaure,  und  von  dem  flüchtigen  und  beweglichen  Wesen
der  Luftphänomene  nichts  an  sich  habe.  So  wäre  denn  unter
allen  Physikern  und  Naturphilosophen  des  Alterthums  und
Mittelalters  einzig  Seneca  der  richtigen  Erkenntniss  des  Wesens
der  Kometen  auf  die  Spur  gekommen.  Albert  erklärt  sich
gegen  ihn  aus  dem  Grunde,  weil  die  Kometen  nicht  wie  die
Gestirne  nach  Durchmessung  der  Hemisphäre  des  Himmels  am
Horizonte  untergeben,  sondern  bevor  sie  zum  Niedergange
kommen,  erlöschen;  diess  ergebe  sich  aus  zwei  von  Seneca
selber  angegebenen  Fällen. 1
Vom  Luftelement  auf  das  Wasserelement  übergehend,  deducirt
  Wilhelm  von  Conches 2  zuerst  die  Nothwendigkeit  desselben ­
  ;  die  Erde  kalt  und  trocken,  bedarf  wie  der  Wärme,  so
auch  der  Feuchtigkeit.  Der  allgemeine  Feuchtigkeitsquell  der
Erde  ist  ein  grosses  Wasserbecken  in  der  Mitte  der  heissen
Zone,  welches  in  der  Richtung  des  Aequators  sich  über  die
Erde  hinstreckt.  Dieser  langgestreckte  Wasserbehälter  theilt
sich  am  Ost-  und  Westrande  unserer  Hemisphäre  in  je  zwei
Strömungen,  deren  eine  nordwärts,  die  andere  südwärts  geht.
Die  beiden  nordwärts  gehenden  Strömungen  prallen  aufeinander
und  erzeugen  das  Phänomen  der  Ebbe  und  Fluth.  Andere  halten
den  Aufgang  und  Untergang  des  Mondes  für  die  Ursache  dieses ­
  Phänomens.  Wilhelm  anerkennt  den  Einfluss  des  Mondes
auf  das  Meer,  postulirt  ihn  aber  nicht  für  die  Erklärung  des
täglich  eintretenden  Wechsels  von  Fluth  und  Ebbe,  sondern
für  die  monatlichen  Hebungen  und  Senkungen  (Springfluthen
und  Todtwasser)  des  Meeres.  Der  Neumond  ist  die  Zeit  der
Hochfluth;  denn  während  dieser  Zeit  ist  die  sonnenbeglänzte
und  wärme  strahl  ende  Hälfte  des  Mondes  von  der  Erde  völlig
abgekehrt,  daher  sich  unter  dem  Monde  die  Luft  verdichtet
und  in  Wasser  übergeht.  Wie  aber  der  Mond  wieder  zu  wachsen
beginnt,  hingt  er  auch  an,  die  Luft  zu  trocknen  und  die  Feuehtig-1

  Vgl.  hierüber  Seneca  Quaest.  Nat.  VII,  15.
2  Subst.  pliys.  lib.  V;  Elem.  phil.  lib.  TTT.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.