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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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sich  findet,  lautet  anders,  und  ist,  soweit  darin  Ansichten  des
Alterthums  reproducirt  werden,  auf  Anschauungen  gegründet,
welche  Wilhelm  entweder  völlig  unerwähnt  lässt,  1  oder  denen
er  ganz  abweichende  Behauptungen  entgegenstellt. 2  Eher  lässt
sich  eine  relative  Annäherung  Wilhelms  an  die  durch  die  mittelalterlichen ­
  Perapatetiker  vertretenen  Anschauungen  wahrnehmen.
Er  hat  mit  Albertus  Magnus  wenigstens  diess  gemein,  dass  er
für  die  Erklärung  des  Donners  und  Blitzes  das  Aufsteigen
der  Dünste  von  der  Erdoberfläche  zum  Ausgangspunkte  nimmt;
dass  damit  eine  principielle  Abweichung  von  den  durch  Isidor
und  Beda  vertretenen  Erklärungsarten  involvirt  sei,  werden  wir
weiter  unten  sehen.  Freilich  ist  Alberts  Erklärung  mit  jener
Wilhelms  nichts  weniger  als  identisch,  und  führt  auf  eine  ganz
andere  Erzeugungsursache  der  Licht-  und  Schallphänomene  des
Gewitters;  nicht  Agitation  und  Reibung,  sondern  comprimirender
  Druck  ist  nach  Albert  der  Hauptmotor  jener  Erscheinungen.
Wie  schon  oben  bei  seiner  Erklärung  der  luftartigen  Meteore
bemerkt  wurde,  unterscheidet  er  zwischen  trockenen  und  feuchten ­
  Evaporationen  der  Oberfläche  des  Erdkörpers;  erstere
liefere  die  Materialursache  der  Winde,  letztere  die  der  wässerigen ­
  Lufterscheinungen.  Beide  Arten  von  Evaporationen  ver-1
  Dahin  gehört  die  aus  Lueretius  geschöpfte  Erklärung-  des  Blitzes  bei
Isidor  und  Beda.  In  dem  Gedichte  bei  Lueretius  (Ker.  Nat.  VI,  lüO)
heisst  es:
Fulgit  item,  nubes  ignis  cum  semina  multa
Exeussere  suo  concursu,  ecu  lapidem  si
Percutiat  lapis  aut  ferrum;  nam  tum  quoque  lumen
Exilit  ot  claras  scintillas  dissipat  ignis.
Man  vergleiche  damit  Isidor  N.  E.  c.  30:  Ajunt  naturalium  sCrutatores
causarum,  quod  ex  conlisione  adque  adtritu  nubium  fulgura  generentur
adinstar  silicum  duriorum,  quos  cum  corapulsöMs  invicem  sibi,  medius  ex
his  ignis  elabitur.  —  Aehnlich  Beda  N.  R.,  c.  "29.
2  Dies  gilt  riicksichtlich  der  von  Beda  (N.  R.  c.  30)  aus  Plinius  (Hist.
Nat.  II,  50)  fast  wortgetreu  entnommenen  Erklärungen  über  die  Ursachen,
weshalb  die  Blitze  im  Winter  und  Sommer  selten,  also  eigentlich  nur  der
Herbst-  und  Frühlingswitterung  angemessen  seien.  Dagegen  sucht  Wilhelm ­
  aus  den  Principien  seiner  Elementenlehre  zu  deduciren,  dass  einzig
im  Sommer  das  Phänomen  des  Blitzes  zu  erwarten  sei,  weil  nur  in  der
heissen  Zeit  die  feuchten  Dämpfe  so  hoch  in  die  Luft  aufsteigen,  als  zur
Entstehung  einer  mit  Donner  und  Blitz  verbundenen  Wolkenentleerung
nöthig  sei.
            
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