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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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W  e  rner.

Zweifel  verscheuchen.  1  Dazu  kommt,  dass  die  dieser  Stelle
unmittelbar  folgenden  Bemerkungen  Wilhelms  mit  offenbarer
Beziehung  auf  das  in  dem  eben  citirten  Capitol  der  Quaestt.
Nat.  Gesagte  vorgebracht  sind.  Seneca  bekämpft  in  einem
nicht  mehr  vollständig  erhaltenen  Excurso  jenes  Capitels'-  die
Ansicht  Jener,  welche  daraus,  dass  der  Regenbogen  einen
Halbkreis  bildet,  folgern,  dass  nur  das  halbe  Sonnenbild  im
Regenbogen  wiederscheine.  Wilhelm  wahrt  sich  als  Eklektiker
dem  von  ihm  benützten  Seneca  gegenüber  das  Recht  der  eigenen
Meinung:  Die  Sonne  spiegelt  nicht  ihre  ganze  Scheibe,  sondern
nur  einen  Theil  derselben  in  den  Regenwolken  ab,  der  Mond
hingegen,  weil  er  tiefer  steht,  sein  ganzes  Bild  im  Hofe,  der
ein  Phänomen  der  niederen,  dichten  Luftschichte  ist.
Seneca’s  Erörterungen  über  die  oben  besprochenen  Lufterscheinungen ­
  werden  auch  von  Albertus  Magnus 3  einer  ausführlichen ­
  Berücksichtigung  unterzogen.  Wo  Albert,  wie  in
der  Erklärung  des  Regenbogens,  Seneca  seine  Zustimmung
verweigern  zu  müssen  glaubt,  sind  ihm  mindestens  die  literargeschichtlichon
  Nachweisungen  desselben  sehr  willkommen,  die
ihm  das  Materiale  für  seine  Kritik  der  Meinungen  der  Alten
über  das  genannte  Phänomen  darbieten.  1  Seneca’s  Ansicht
hierüber  gibt  er  in  folgender  Weise  wieder:  Seneca  scheine
dafürzuhalten,  dass  in  einer  thauigen  Wolke,  welche  bereits  zu
regnen  beginne,  so  viele  Sonnenspiegel  als  Tropfen  seien,
welche  ein  aus  ihrer  Gesammtheit  zusammengeflossenes  Bild

1  Aristoteles  ait  de  arcu:  post  autumnale  aequinoetium  qualibet  liora  diei
arcum  fieri,  aestate  non  nisi  ineipiente  vel  declinante  jam  die.  Cujus
rei  liane  reddit  causam:  In  aestate  circa  meridiem  sol  calidissimus  nubes
vincit,  nec  potest  imaginem  suam  ab  eis  recipere  quas  scindit.  At  in
autumni  tempore,  aut  in  occasum  vergens,  qui  minus  calet,  a  nubibus
sustineri  ac  percuti  potest.  Deinde,  cum  arcum  faeere  non  soleat  nisi
adversis  liis,  in  quibus  facit,  nubibus,  cum  dies  breviores  sunt,  semper
nubes  obliqua  est  soli;  itaque  qualibet  die  ipse  etiam,  cum  altissimus  est,
habet  aliquas  nubes,  quas  ex  adverso  ferire  possit.  At  temporibus  aestivis
supra  verticem  nostrum  fertur,  itaque  medio  die  excelsissimus  terram
rectiore  aspicit  linea;  ideo  nullis  tune  nubibus  sibi  potest  occurri,  omnes
enim  tune  sub  se  ipso  latent.  Subst.  piiys.  lib.  V  (p.  173  f.).
2  Quaestt.  Nat.  I,  8  (n  1—5).
3  Meteor.  III,  tract.  3.
4  0.  c.,  capp.  8  u.  9.
            
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