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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Dio  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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weist  er  ab,  indem  der  Mond  das  Sonnenlicht  nicht  wie  ein
Spiegel  reflectire,  1  sondern  in  seine  Tiefen  einsauge.
Unmittelbar  unter  dem  Monde  lässt  Wilhelm  von  Conches
den  Luftbereich  beginnen,  2  der  nach  unten  an  Dichtigkeit  und
Feuchtigkeit  stetig  zunimmt,  nach  oben  umgekehrt  an  Helligkeit ­
  und  Trockenheit.  Licht  und  Wärme  empfängt  er  von
der  Sonne.  Da  aber  diese  stets  innerhalb  der  zona  torrida
sich  hält,  so  wirkt  sie  vornehmlich  nur  auf  den  unter  ihrer
Bahn  gelegenen  Theil  des  Luftbereiches,  während  die  übrigen
Theile  desselben  unter  den  zu  beiden  Seiten  der  zona  torrida
gelegenen  vier  übrigen  Himmelszonen,  je  näher  den  beiden
Weltpolen,  desto  mehr  vom  erkältenden  Einfluss  des  Wasserund
  Erdelementes  beherrscht  werden.  Es  lassen  sich  demnach
nach  Analogie  der  fünf  Himmels-  oder  Aetherzonen  fünf  Zonen
des  Luftbereiches  unterscheiden;  nur  darf  man  diess  nicht  so
verstehen,  als  ob  die  im  Luftbereiche  nach  Zonen  unterschiedenen ­
  Temperaturverschiedenheiten  auch  in  der  Aether-  oder
Sternregion  vorhanden  wären.  3
Die  Phänomene  des  Luftboreiches  werden  von  Wilhelm
in  luftartige,  wässerige  und  feurige  eingetheilt.  Als  luftartige
Phänomene  des  Luftbereiches  macht  er  die  Winde  und  Wirbelstürme ­
  (venti  et  turbines)  namhaft.  Die  Definition,  die  er
vom  Winde  gibt,  weicht  von  jener  der  ihm  vorangegangenen
mittelalterlichen  Encyklopädiker  ab.  Während  diese  den  Wind

1  Anders  Wilhelm  von  Conches  am  Schlüsse  seines  zweiten  Buches
jtspl  Siod^Einv:  Quamvis  corpus.  iunae  naturaliter  sit  obscurum,  tarnen  in
qnibusdam  partibus  suis  est  tunsum  et  politum  ad  modum  speculi,  in
quibusdam  scabrosum  et  rubiginosum.  Ubi  igitur  politum  est,  ex  radiis
solis  splendet;  sed  ubi  scabrosum,  naturalem  obscuritatem  retinet.
2  Ueber  Luft  und  Wasser  handelt  Wilhelm  Subst.  phys.  Lib.  V  und  Elcm.
philos.  Lib.  III.
3  Durch  diese  letztere  Bemerkung  ist  eine  Berichtigung  dessen  beabsichtiget, ­
  was  bei  Maerobius  Somn.  Scip.  II,  7  gesagt  wird,  wo  es  heisst:
lios  cingulos  (quinque  zonas)  et  Maronem  bene  coelo,  et  bene  terrae  assignasse
  Ciceronem  ....  natura  enim  coeli  hanc  in  diversis  terrae  partibus ­
  temporiem  nimietatemque  distinxit,  et  qualitas  vel  frigoris  vel  caloris,
quae  cuilibet  aetheris  parti  simul  inhaesit,  eandem  inficit  partem  terrae,
quam  despicit  ambiendo.
            
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