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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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344  Werner.
zeln  der  Erclgewächse  an  sich  zu  ziehen;  die  Pflanzen  ihrerseits ­
  ziehen,  um  den  Verlust  zu  decken,  die  Erdfeuchtigkeit
an  sich,  um  sich  mittelst  derselben  zu  nähren  und  zu  erfrischen.
Demzufolge  hat  der  Frühling  die  Feuchtigkeit  zur  charakteristischen ­
  Signatur;  warm  ist  er,  sofern  diese  Processe  der  Feuchtigkeitsanziehung ­
  durch  die  allmälig  wachsende  Wärme  angeregt
und  gefördert  werden.  In  ähnlicher  Weise  werden  die  Qualitäten ­
  der  beiden  übrigen  Jahreszeiten  deducirt.  Damit  ergibt  sich
aber  nur  die  allgemeinste  Charakteristik  der  vier  Jahreszeiten;
um  Temperatur  und  Witterung  derselben  genauer  und  specieller
für  alle  einzelnen  Monate  und  Wochen  derselben  zu  ermitteln
und  vorauszubestimmen,  hat  man  zu  berücksichtigen,  in  welchem
Zeichen  die  Sonne  steht,  und  welcher  Planet  mit  der  Sonne
zugleich  in  demselben  Zeichen  stehe.  Nach  Isidor’s  und  Beda’s
Vorgang  parallelisirt  Wilhelm  die  vier  Jahreszeiten  mit  den  vier
Elementen,  mit  den  vier  Temperamenten  und  Lebensaltern  des
Menschen.  Der  Winter,  sagt  Beda  und  Wilhelm  mit  ihm,  ist
kalt  und  feucht  wie  das  Wasser,  der  Frühling  warm  und  feucht
wie  die  Luft,  der  Sommer  warm  und  trocken  wie  das  Feuer,
der  Herbst  trocken  und  kalt  wie  die  Erde.  Der  Mensch  fasst
als  mikrokosmisches  Wesen  in  den  seinem  Körper  eigenen
quatuor  humores  die  specifischen  Qualitäten  der  vier  Elemente
und  Jahreszeiten  in  sich.  Das  Blut,  das  im  Kindesalter  überwiegt, ­
  ist  feucht  und  warm,  die  cholera  rubea,  die  im  Jünglingsalter ­
  vorwiegt,  warm  und  trocken,  die  cholera  nigra  dos
vorgeschrittenen  Lebensalters  trocken  und  kalt,  das  Phlegma
der  Greise  kalt  und  feucht.  Wie  Beda  mittelst  einer,  nach
seiner  Angabe  aus  Hippokrates  entlehnten  Stelle,  die  aber  in
Wahrheit  bei  Paulus  von  Aegina  1  sich  findet,  die  jeder  Jahreszeit ­
  speeifisch  angehürigen  Krankheiten  und  zugleich  die  jeder
einzelnen  Jahreszeit  angemessenen  diätetischen  Regeln  angibt, ­
  so  auch  Wilhelm  von  Conches.  Nach  ihm  ist  der  Winter
eine  Jahreszeit,  in  welcher  sich  Jünglinge  und  Choleriker  wohl
zu  fühlen  pflegen,  nicht  so  Phlegmatiker  und  abgelebte  Greise.

1  Paul  von  Aegina,  ein  griechischer  Arzt,  dessen  Bliithesseit  in  die  Regierung ­
  des  Constantinus  Pogouatns  (008—085)  füllt.  Die  oben  erwähnte
Steile  findet  sich  in  den  ihm  angehürigen:  'Kjtrco|j.ij{  (iarfnxip)  jhßXia  otk,
Lib.  I,  c.  100.
            
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