Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen Mittelalters.
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stehexi, der Anfang des Frühlingsäquinoctiums auf den zwölften
Tag vor dem Kalendä des April zurückzuverlegen ist, so wird
man auch den Anfang der drei übrigen Jahreszeiten um ein
paar Tage früher, als gemeiniglich angenommen wird, anzusetzen
haben. Isidor von Sevilla lasse Winter und Sommer mit IX. Kal.
Dec. und IX. Kal. Jun., den Frühling mit VIII. Kal. Mart., den Herbst
mit X. Kal. Sept. beginnen; der Grieche Anatolius 1 aber wolle nach
dem Vorgänge der alten Griechen und Römer 2 die Aequinoctien
und Solstitien in die Mitte der einzelnen Jahreszeiten fallen
lassen. Wilhelm von Conches, der aus Beda diese verschiedenen
Bestimmungen über die Anfänge der Jahreszeiten beibringt,
gibt seinerseits folgende Anfänge an: Winter XV. Kal. Jan.,
Frühling XV. Kal. April., Sommer XV. Kal. Jul., Herbst
XV. Kal. Oct. Als charakteristische Signatur des Winters
gibt Wilhelm mit Isidor und Beda Kälte und Feuchtigkeit an,
der Frühling ist warmfeucht, der Sommer warmtrocken, der
Herbst kalttrocken. 3 Diese Signaturen der vier Jahreszeiten
werden aus der Stellung der Sonne zur Erde deducirt. Im
Winter ist die Sonne von der Erde am weitesten entfernt, und
desshalb die Erde in Kälte erstarrt; die Luft verdichtet sich
in trüben Gewölken, die sich in Regen auflösen. Im Frühling
steht die Sonne in mittlerer Entfernung von der Erde; daher
ist die Frühlingsluft temperirt, das Mittel haltend zwischen
Kälte und Wärme, Feuchtigkeit und Trockenheit. Die Erdporen
öffnen sich, die Sonne sucht die Feuchtigkeit der Wur-1
Anatolius, Bischof von Laodicea c. a. '270, und Verfasser eines Osterkanon.
2 Graeci et Romani, quorum in hujusmodi disciplina.potius quam Hispanorum
(seil. Isidori Hispal.) auctoritas sequi consuevit, liiernem VII.
Idus Nov., ver VII. Idus Fehl'., aestatem VII. Idus Maji, autumnum VII.
Idus Augusti inchoare decerunt; hiemis videlic.et et aestati.s initia vespertino
vel matutino Vergiliarüm ortu occasuque signantes, item veris et
autumni, cum Plejades media fere die vel nocte oriuntur et occidunt,
ponentes ingressum. Beda Rat. Temp. c. 35.
3 Vgl. Isidor. Nat. Rer. c. 7: Ver quippe constat ex umore et igni, aestas
ex igni et siceitate, autumpnus ex siccitate et frigore, hiemps ex frigore
et humore. Unde etiam sunt tempora a communionis temperamento dicta. —
Dazu die Stelle in Isidors Origg. V, 35, 1: Dicta sunt autem tempora a
communionis temperamento, quod invieem se humore, siccitate, calore et
frigore temperent.